Fußball zum Abgewöhnen

Die sportlichen Ergebnisse haben es in zwei Wochen geschafft, das zarte Pflänzchen "Anfangseuphorie" weitgehend verdorren zu lassen. Die gestrige Niederlage gegen den VfL ist der nächste Negativhöhepunkt in einer ganzen Reihe jüngster fußballerischer Unzulänglichkeiten.

Auf der Alm gibt es nur noch Fußball zum Abgewöhnen. An dieser Stelle kann gepostet werden, was einem am "Fußball a la Arminia" nicht gefällt. Und ich mache gleich mal den Anfang.

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Armenier Bielefeld

Immer, wenn der ZDF-Mann am Freitagabend den Namen der Gastmannschaft nannte, spielten die Ohren verrückt: „Die Arminia...“ Der Kopf zuckte wieder herum zum Fernseher, die Augen belehrten das Gehör aber schnell eines Besseren – nein, unsere Blauen stehen nicht auf dem Rasen.

Das wär auch des Guten ein bisschen zuviel, ein Testspiel gegen die Nationalmannschaft! Dabei hat uns der DFB ohnehin schon ein bisschen lieb, steht der DSC doch an allererster Stelle der Mannschaften der Drittligasaison 2014/15!

Wenn man jetzt noch die Auflistung in die Abschlusstabelle transferieren könnte, dann muss die Saison von mir aus gar nicht gespielt werden. Kennt sich vielleicht einer mit solchen Tricksereien aus?

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WM-Sieg mir Arminia! Fundstück der Woche

Am 6. Juni 2014 pflasterte ein großes Boulevardblatt deutschlandweit die Haushalte mit einer WM-Sonderausgabe. Beim Überfliegen des ""WM-Posters" blieb der Blick auf einem Herrn mit Brille und Bart im blauen Jersey hängen, der ausgelassen den WM-Sieg der deutschen Mannschaft feiert. Was hat es wohl damit auf sich??? Ich muss mir nochmal die Augen wischen.

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Closed Alm Community

Arminia in der Relegation! Und wie viele andere habe auch ich keine Karte bekommen. Klar bin ich da mächtig frustriert und traurig drüber. Ich wohne halt nicht vor Ort und ich kann (und will!) meiner Ma nicht zumuten, stundenlang im Regen für mich anzustehen. Tiefster Dank dafür, daß sie es trotzdem versucht hat.

Interessant ist eine besondere Debatte, die der Vorverkauf losgetreten hat: Angesichts von Strahlemännern und –frauen, die nach Jahren mal wieder auf die Alm gehen, wurde gemeckert, die hätten es nicht verdient. Wo waren die beim Spiel gegen Sandhausen? Wo waren die vor Jahresfrist auswärts im Degerloch, als weniger Leute im Gästeblock standen als gestern in der Warteschlange in Detmold?

Aber haben die, die „immer da sind“, ein automatisches Vorkaufsrecht, eben weil sie „immer da sind“? Soll ich mich mit einem Schuhkarton voller Eintrittskarten aus 26 Jahren Arminia in die Schlange stellen, diesen dann im Ticketcenter auf den Tresen stellen und sagen: „Da! Alte Rechte, meine Herrschaften“?

Natürlich hat diese Denke iiiiirgendwie die Moral auf ihrer Seite, von weiteren populären Fan-oder-besserer-Fan-Romantiken mal abgesehen. Aber die Alm ist kein exklusives Etablissement. Sie ist keine Closed Community, zu der nur „aufrechte Arminen“ Zutritt haben – Wie auch immer man das definieren will. Arminia und die Alm sind für alle da, und das ist gut so! Vielleicht ist der Run auf die Tickets und die ausverkaufte Hütte ein Indikator dafür, daß Arminia trotz eines Saisonabschlusses am Tabellenende und trotz des Krämer-Exitus die Region mobilisiert und bindet.

Daher wünsche ich mir von allen, die eine Karte haben und sonst kaum auf die Alm gehen, daß sie wiederkommen. Dann hat Arminia wirklich gewonnen, egal, wie die Relegation ausgeht. Auch, wenn ich mir davon nichts kaufen kann. Zum Beispiel eine Eintrittskarte.

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Eilhoff: „Ich denke, dass sich Dynamo in die Relegation rettet."

Eilhoff: „Ich denke, dass sich Dynamo in die Relegation rettet. Denn der Heim-Bonus im Entscheidungsspiel gegen die Arminia ist ein klarer Vorteil, die Stimmung phänomenal.“ - so wird der zitiert (in bild.de), der angeblich im Herzen schwarz-weiß-blau sein soll. Kann das denn wahr sein? Hat er denn nicht mitbekommen, dass man in Sachsen "Dennis" eher für eine Sportart hält?

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Sokrates über Arminia

Man kann nicht behaupten, daß sich unsere schwarzweißblaue Herzensangelegenheit irgendwie zum Nerventonikum eigne. Auf und nieder immer wieder, wie soll man da als Fan noch einen klaren Kopf bewahren? Wie hat es der Krämer mal gesagt: „Die perspektivischen Betrachtungen müssen aber realistisch bleiben.“. Ja,  krieg‘ das mal hin. Wie sollen wir denn in der Emotion des Abstie...Augenblicks gleichzeitig perspektivisch und realistisch sein? Kein Meckern mehr? Keine Durchhalteparolen mehr? Hierzu ist folgendes vom Philosophen Sokrates (469 – 399 v.Chr), dem ersten Klugscheißer mit Arminia-Dauerkarte, überliefert:

„Das einzige, was man will, ist ein kleines bißchen Gewißheit. Daß der Elfmeter drin ist. Daß das Spiel gewonnen wird. Daß Punkte eingefahren werden. Daß Arminia drinbleibt. Aber man weiß es vorher nicht. Und weil man es nicht weiß, sucht man sich seine Schlußfolgerungen. Aus dem Anlauf des Schützen. Aus dem Spielverlauf. Aus der Aufstellung. Aus Einzelpersonen. Aus Artikeln, in denen ein kreativer Reporter aus sechs im Vorbeigehen dahingeworfenen Trainerworten (‚Wir werden eine offensivere Grundordnung spielen‘) einen 200-Wörter-Artikel machen muß und gar nicht anders kann, als zu spekulieren. Aus diesem kleinen bißchen Wahrnehmung zieht man Schlüsse. Und an die Schlüsse glaubt man, eben weil man Gewißheit will. Oder Allgemein:

Wir wissen nicht, was wir wissen wollen, aber weil wir wissen wollen, was wir wissen wollen, stellen wir das, was wir nicht wissen können, als das dar, was wir wissen wollen, um zu wissen, was wir wissen wollen.“

Möh. Ich geh Eis essen. Und dann stelle ich meinen Balkon rein.

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Das Beste, Traditionellste, Stärkste, Unbesiegbarste, Geilste überhaupt!

Vereins- und Fanhymnen sollen in etwa so identifikationsstiftend sein wie die Vereinsfarben oder das Vereinslogo. Nur unterscheiden sie sich von diesen beiden dadurch, daß sie das in einem Text rüberbringen müssen. Meist beschwören sie in ziemlich hohlen Phrasen die vermeintlichen Tugenden des Fußballs, die sich selbstversäumlich im besungenen Club manifestieren. Ein schönes Beispiel liefert unser Gegner von morgen, der SV Sandhausen. Befassen wir uns mal näher mit dem „SVS Lied“:

Das beste hier in dem Revier
[Irgendwo hinter der Autobahnraststätte]
Ist Sandhausen, und das sind Wir
[Hallo, Ihr!]
Der SVS im ganzen Land
[Definiere „ganzes Land“]
In jedem Stadion wohl bekannt
[Definiere „jedes“]

Unsere Farben sind SchwarzWeiß
[Da fehlt eine]
Darauf sind wir alle heiß
[Definiere „Alle“]
Es sind die Farben der Nation
[Waren sie in Württemberg noch nie]
Sie sind bei uns schon Tradition
[„Tradition“ mußte rein, daher wahrscheinlich auch „Nation“ in der Vorzeile]

Bei den Amateuren war’n wir schon Deutscher Meister
[Glückwunsch. Wie auch dem SC Jülich 1910 und Bremen II. Die war’n auch schon bei den Amateuren Deutscher Meister]
Und fast jedes Jahr ganz vorne mit dabei
[Definiere „jedes Jahr“, definiere „fast“]
Heut‘ beschwören wir am Hardtwald alle Geister
[Rübezahl! Casper!! Slimer!!! *beschwörbeschwör*]
Denn mit Platz 1 ist der Weg nach oben frei
[Definiere „MSV Duisburg“]

Jede Mannschaft ist am Hardtwald stets Willkommen
[Dankeschön! Nette Autobahnraststätte!]
Alle Gegner immer wieder gern gesehn
[Immer wieder...gibt es einen Willkommenstee?]
Doch die Punkte werden von uns eingenommen
[Reim Dich!]
Bevor sie wieder nach Hause gehen
[Reim Dich immer noch!]

Die Kameradschaft ist hier unsre große Stärke
[Das mußte rein, oder?]
Weil wir alle uns besonders gut verstehn
[ebenso wie das]
Mit vereinten Kräften gehen wir hier zu Werke
[hat was von Tauziehen, die Strophe]
Den Erfolg kann man bei allen Spielen sehn
[bei allen]

Vor jeder Runde stellen wir jetzt schon die Weichen
[Erinnert an eine Märklin Eisenbahn. Weichen stellen, immer in die Runde]
Dann werden alle Karten wieder neu gemischt
[Texas Hold’em]
Wir wollen immer das gesteckte Ziel erreichen
[auch, wenn die neu gemischten Karten mies sind, gell?]
Der erste Platz- Was anderes zählt am Hardtwald nicht
[Realität an Vereinslied...bitte melden...]

Wir sind Tradition. Wir alle gemeinsam. Wir sind eine Macht. Das beste, was Mittelerde zu bieten hat. Egal, ob Du der SVS, der BVB, der FCB, der TVB, Buntekuh Lübeck oder der XYZ bist. Und auch wir sollten nicht allzu laut lästern – „Die besten Fans der Welt“ ist auch kein Literaturnobelpreis. Das „Lied der Arminen“ von 1920 ist meiner Meinung nach bis heute der treffendste Song für unseren DSC. Und: Nein, ich finde den SV Sandhausen NICHT scheiße ;) !

Das Lied zum Hören: http://www.svs1916.de/svs-lied.html

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Almfahren mit Umsteigen

So oder so ähnlich begab es sich unlängst im Rauchereck des Gleis 9 im Hauptbahnhof zu Hamm (Westfalen):

„Schönen Schal hast Du an!“ – „Joa, danke...“ – „Fährst Du zum Fuuuuußball?!“ – „Ja, tue ich.“ – „Zu Bayern? Bayern spielt heute in Hannover!“ – „Nicht ganz, Bayern spielt heute in Wolfsburg. Und ich fahre nach Bielefeld.“ – „Was? Bayern spielt in Hannover gegen Bielefeld?“ – „Nein. Bayern spielt in Wolfsburg. Ich fahre nach Bielefeld. Die spielen gegen Aue.“ – „Ahaaaa....Und gegen wen spielt Hannover?“ – „Gegen Leverkusen.“ – „In Wolfsburg...“ – „Nein, in Hannover.“ – „Und Wolfsburg?“ – „Spielt gegen Bayern.“ – „Nicht gegen Leverkusen?“ – „Nein.“ – „Leverkusen spielt in Bielefeld gegen Aue.“ – „Nein!! Bielefeld spielt gegen Aue, Hannover gegen Leverkusen und Wolfsburg gegen BayernVERDAMMT WATWILLSTEEIGENTLICH!?!?!“ – „...kannichne Zigarette...?“

(die Story ist zu hübsch, um nicht erzählt zu werden. Sie ist eigentlich bei einer Gruppe Leverkusen-Fans belauscht worden- für die Originalfassung müßt Ihr nur die Fragen und Antworten entsprechend umstellen)

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Bielefeldstyle

„Bielefeld gibt’s nicht“. „Bielefeld ist eine Verschwörung“. Jahrelang war den Bielefeldern selbst herzlich egal, diesen außerhalb der Stadt doch stark vorherrschenden Klischees entgegen zu treten – Wozu auch, wir wissen es ja auch besser. Für Exil-Bielefelder ist das allerdings nicht so einfach. Man ist als Einzelkämpfer zur Ehrenrettung der Heimatstadt unterwegs. Man zählt Produkte, Dienstleistungen, wunderbare Wirtschaftsdaten, das Grün der Stadt auf, nur um „VerschwörungGibtsnicht“ als Antwort auf jedes Argument zu erhalten. Selbst das Bekenntnis zu Arminia, die ja immerhin jede Woche für ein paar Minuten im Fernsehen läuft, hilft da nichts. Der DSC ist für Außenstehende der Fußballclub, der eh absteigt. Arminia wird gar nicht mit einer Stadt in Verbindung gebracht. Und falls doch: „VerschwörungGibtsnicht“. Ausgerechnet eine Münster-Geschichte hat den bis vor kurzem besten Konter geliefert. Im Wilsberg-Krimi „Die Bielefeld-Verschwörung“ (sic!) gab es „Vorsicht! Ich gehöre zu denen!“ sogar auf T-Shirts (leider nur als Filmrequisite, ich habe nachgefragt).

Und dann fährt man zur Weihnachtsmarktzeit durch Münster, sieht an jeder Ecke Plakte, die für das Jubiläumsjahr werben und denkt so „YEEEEES!“. Dann entdeckt man die „Das kommt aus Bielefeld“- Aktion der Bielefelder Wirtschaftsförderung und denkt so „YEEEEES!“. Bielefeld hat sich also endlich dazu entschlossen, sich nach außen offensiv zu präsentieren und hat dabei allen Exil-Bielefeldern eine Menge Mund-fusselig-Sabbeln abgenommen. „Bielefeld gibt’s nicht“ – Locker auf den Mineralwasser-Laster zeigen. „Bielefeld ist eine Verschwörung“ – Entspannter Gang zum Kühlregal. Auch Arminia nimmt an der Aktion teil. Das kommt aus Bielefeld!- Die Marke ist nicht zu übersehen!

Wenn wir uns am Samstag also die Tiefkühlpizza reinziehen, dazu Wasser aus Brackwede trinken, den Griespudding zum Nachtisch löffeln, uns in den feinen Zwirn vom Outlet an der Herforder Straße zwängen und dann auf die Alm fahren und die Blauen spielen sehen - Das kommt aus Bielefeld! Gönnen wir uns dies Gefühl!

Und wenn wir wiederkommen, mit einem Räuchermännchen, einem Kilo Uran und Drei Punkten im Gepäck – Das kommt aus Aue!

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Bunt ist alle Verschwörungstheorie. Eine alternative Vergangenheit

Man kann sich das Ganze ja auch ganz anders zusammenreimen. Und Stefan Krämers Abschied nicht mehr ganz so überraschend finden wie noch vor einer Handvoll Stunden.

Zum Beispiel so: November 2013. Nach sechs Liganiederlagen in Folge verlautbart Stefan Krämer in einem Boulevardblatt: "Ich bin nicht blauäugig, kenne die Gesetze des Geschäfts. Die kommende Heimpartie gegen Bochum ist ein echtes Endspiel." Ohne dass das beim Arminia jemand behauptet hätte. Wenn wir uns recht erinnern.

Es folgt ein Nullzwei gegen die genannten Westwestfalen. Doch: Krämer darf bleiben – "vorerst". Er selbst sagt: "Wenn ich meine, die Mannschaft nicht mehr zu erreichen, dann muss mich hier keiner entlassen. Dann packe ich meine Sachen, verabschiede mich und fahre nach Hause."

Dann: das nächste Endspiel, wieder via Presse selbstauferlegt. Da konnte man schon denken: Was zur Hölle reitet diesen Mann? Will er sich selbst rausmobben? Und auch die Vorgesetzten wundern sich.

Aber wenn es ein Plan war: Er geht nicht auf. Zunächst. Denn es folgt ein kurzes Zwischenhoch mit Siegen gegen Frank'n'fürth. Vielleicht war der Verein aber gewarnt? Und sucht vorsorglich schon einmal nach Ersatz?

Das würde auch den irre schnellen Trainerwechsel diese Woche erklären – inklusive des "klaren Konzepts" des Nachfolgers. Denn so ein Konzept entwickelt man im Profisport ja nicht innerhalb weniger Stunden und über Nacht. Bilden wir uns mal so ein, mit unserem gefährlichen Halbwissen.

Und da fällt uns dann auch die Vokabel "freigestellt" noch mal wieder ein. Passt ganz gut ins Reimschema, oder? Und dass der alte Trainer den neuen auf der Pressekonferenz vorstellt – und ihn anschließend angeblich noch vier Stunden einarbeitet, bevor er dann tatsächlich seine Sachen packt, sich verabschiedet und  nach Hause fährt.

So. Und nun reimt Ihr mal schön weiter.

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