Hannover 96 - Arminia Bielefeld 0:1

0:1 Delron Buckley 79.

Hannover 96 - Arminia Bielefeld 0:1

Das Spiel in Hannover geht ganz ohne Zweifel in die Annalen der Arminia-Historie ein. Weniger aufgrund des 1:0-Auswärtssieges an sich, vielmehr noch, weil es genaugenommen die wahre Geburtsstunde des "Alléz alléz"-Gesangs war:

Gespielt sind 20 Minuten in Halbzeit eins, als der Auswärtsblock das Lied erstmalig anstimmt. Das Besondere aber: Er wird bis zum Siegtreffer damit nicht mehr aufhören.

Schon erstaunlich, daß der Gesang inklusive Geklatsche nicht wie allgemein üblich nach wenigen Durchläufen leiser wird und schließlich gänzlich verebbt, sondern über mehrere Minuten andauert. Als nach 10, kurz darauf sogar 15 Minuten immernoch jedermann fleißig weitersingt, werfen sich die ersten Auswärtsfans bereits leicht erstaunte bis ungläubige Blick zu. "Hmm, komisch... was ist denn hier los?". Auch Hippo und Heiko wirken irritiert. Also gut, offenbar war ohne große vorherige Absprache soeben spontan und gemeinschaftlich entschieden worden, bis zur Halbzeitpause durchzuhalten. Nette Idee, also fleißig weitersingen und klatschen.

Nach 25 Minuten Stimmbandmassage der Pfiff zum Pausentee. Geschafft. Puh. Hmm, irgendwie macht aber niemand Anstalten, das Liedchen einzustellen. Eher im Gegenteil - noch lauter, noch enthusiastischer werden die Arminen-Spieler in die Katakomben gesungen. "Ok, singen wir also weiter bis sie in der Kabine sind!". Pustekuchen. Erneutes ungläubiges sich um- und angucken im Block. Irritiertes weitersingen. "Na gut, dann also auch noch die Halbzeitpause durch bis sie wiederkommen - die werden Augen machen, wenn sie wieder rauskommen und wir hier immernoch...".

In der AWD-Arena läuft die übliche Halbzeitbeschallung. Musik, Werbung, Durchsage von Würstchen-Sonderangeboten. Drauf geschissen, wir singen weiter. Die Herrschaften auf der schräg links von uns befindlichen Haupttribüne werfen langsam aber sicher ebenfalls vermehrt erstaunte bis verstörte Blicke zu uns herüber. "Die spinnen, die Ostwestfalen". Ich spüre meine Hände nicht mehr.

Hannover 96 - Arminia Bielefeld 0:1

Die ersten Arminen kommen aus der Halbzeit, Petr Gabriel läuft kurz in Richtung Block und beklatscht unsere stramme Sangesleistung, sehr aufmerksam. Das stachelt alle offenbar noch mehr an. Jetzt aufhören? Von wegen. Der Ehrgeiz ist endgültig geweckt, noch länger durchzuhalten. "Aha, verstehe - wir versuchen offenbar bis zum Spielende durchzuhalten. Oh Herr!".

Nicht zum ersten mal wechselt der taktgebende Trommler direkt vor uns mit seinem Nebenmann, um seinem strapazierten Arm ein kurze Pause zu gönnen - dieser Wechsel wird später noch diverse male vollzogen. Die zweite Halbzeit läuft, wir singen. Immernoch. Mal laut, dann etwas leiser werdend, wenn sich der ein oder andere eine kurze Zigarettenpause gönnt, dann wieder anschwellend bis euphorisch, geradezu aufgeputscht. Unglaublich. Was geht, bitte? Ist das wirklich der Arminia-Auswärtsblock?

Irgendwann, die Finger und Hände längst vom dauernden Klatschen so gut durchblutet wie nie zuvor, wird ein neuer Gedanke immer dringlicher. "Wir brauchen ein Tor!". Eine Belohnung. Als Zuckerli für unsere tapfere Sangesleistung. Um dem ganzen ein i-Tüpfelchen aufzusetzen. Um das Ganze zu einem - ähem - historischen Ereignis werden zu lassen. Wenn es tatsächlich einen Fußballgott gibt, muß er uns ein Tor schenken. Wir krakeelen hier ja schließlich nicht zum Spaß.

Hannover versiebt eine Chance nach der nächsten. Pfosten, Latte, alles dabei. Wir singen. Und hoffen. Und klatschen. Für uns selbst, für die fleißigen Jungs da unten, die hoffentlich hören mögen, was wir hier treiben und es uns mit einem Tor (BITTE! Ein Tor!) danken mögen.

Was soll ich lang drumrum reden. Es gibt einen Fußballgott.

In Minute 79 ist es so weit. Nach einem Konter spielt Vata auf Duro, der aus 12 Metern zauberhaft über Enke lupft. Wir halten die Luft an. Der Ball springt von der Latte vor die Füße von Buckley, der aus fünf Metern abstaubt. Unfassbar.

75 Minuten Singsang mit Happy End. Herrlich. Wunderbar. Perfekt. Wie im Drehbuch. Morgen werde ich nur sprechen, wenn es unbedingt sein muß. Geht auch gar nicht anders.

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Bild von Anonym

Das Spiel gehörte zu meinen ersten Auswärtsfahrten und es ist und bleibt wohl auch das geilste was ich je erlebt hab (auswärts) !!!
ich stand in der ersten reihe und hatte hals und handschmerzen außerdem ham die sitzplatz leute alle ziemlich verwirrt hochgeschaut, ABER es war egal und einfach nur hamma!

Bild von Anonym

Das verlangt geradezu nach einem Anekdotenstündchen zum Thema "Meine schönste Auswärtsfahrt" - falls es sowas nicht schon irgendwo in den Tiefen dieser Seite gibt.

Meine schönste Auswärtsfahrt war jedenfalls nach Gütersloh. Bester Fußballtag meines Lebens.

http://www.youtube.com/watch?v=gubWnF0vqLk

Bild von Cherusker

danke fürs ausgraben! beste, auswärtsfahrt, aller zeiten!
schade dass das schon so lange her ist, aber solche zeiten kommen wieder, irgendwann. 100pro! :-)

Bild von Almbub

Das war das Eröffnungsspiel der neuen Hannoveraner WM-Arena und die mit großer Vorfreude gekommenenden Niedersachsen wunderten sich wegen zwei Dinge: 1. Warum singen die Bielefelder die ganze Zeit (und was singen die da???) und 2. Warum verliert H96 gegen Bielefeld? Meine Antwort, naja gegen den aktuellen Tabellen 6. kann man schon verlieren... Staunen im Walde und riesen Spaß auf der Rückfahrt.

Das anschliessende Heimspiel gegen den VfB Stuttgart war dann aber auch der Hammer, als Allez Allez die Mannschaft nach vorne peitschte, das ganze sogar von der Videowall unterstützt wurde und Finn Holsing beinah gegen Philipp Lahm zum 1:0 getroffen hätte...

Mensch das waren noch Zeiten...
In diesem Sinne

Allez Allez

Bild von Anonym

Im November 1995 gab es ebendort schon ein solches Spiel. Wir gewannen 1:0 durch Fritze "Lotto-Toto-Bude-in-Ulm" Walter. Ich kann mich erinnern, dass dort das ganze Spiel lang gesungen wurde - unterbrochen durch zwei Ereignisse. Zum einen natürlich das Tor nach knapp einer Stunde.
Viel lustiger aber war der knapp 45-Jährige Arminen-Fan, dem folgendes widerfuhr:
Nach knapp 70 Minuten gab es tumultartige Szenen in einer bestimmten Ecke im Arminen-Block. Erst glaubte ich, da sei eine Schlägerei im Gange. Doch die Leute, die sich fluchtartig in alle Richtungen bewegten, flohen vor dem, was sich anbahnte: Oben beschriebener Fan stand wankend auf der Bank - mit seinem besten Stück in der Hand. Und die Flüchtenden taten gut daran, sich rechtzeitig fort zu bewegen, denn kurze Zeit später sorgte ein gelber Strahl für einen warmen Regen.
Der ganze Block unterbrach seinen Gesang und bekam sich vor Lachen gar nicht mehr ein. Der Mann grinste und winkte in die Menge.
Doch es ging noch weiter. Denn als der Armine - immer noch wankend - sein Ergebnis betrachtete, war es dieses Mal die Körperöffnung am Kopf, die für Erleichterung sorgte: Die eben gespeisten Bratwürste und das gerade getrunkene Bier klatschten fontänengleich auf die unteren Bänken.
Was für ein Schauspiel!
Ich hab bis zum Schlusspfiff gelacht.
Und gesungen.
In der Saison stieg Hannover (zum 100. Geburtstag) ab und wir auf.

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