Thommy sagt: “Bielefeld ist eine Lebensaufgabe”
Thomas von Heesen hat der Netzeitung ein feines Interview gegeben und präsentiert sich und den Verein darin zum x-ten male extrem vorbildlich - nicht ohne Grund ist der Wunschtraum von Hippo und mir, daß TvH auf lange Sicht der Uli Hoeneß Ostwestfalens wird. Schade, daß er nach Rapolders Abgang wieder selber ans Ruder muß, denn ein jeder weiß ja, wie schnell man vom Trainerschleudersitz davonflattern kann. Wir hätten es lieber gesehen, er bleibt wie bisher im Hintergrund und zieht bei seiner "Lebensaufgabe" die Strippen im Hintergrund - auf seinem Weg zum Uli Hoeneß Ostwestfalens...
Arminia Bielefeld wurde vor Beginn der laufenden Bundesligasaison bei fast allen Experten als Abstiegskandidat gehandelt. (...) «Wir versuchen, diese Kommentare gar nicht zu werten, sondern allen zu zeigen, das wir eine Mannschaft sind, die Fußball spielen kann», so von Heesen im Interview. (...)
Von Heesen, der seinen Job in Bielefeld «als Lebensaufgabe» bezeichnet, zieht seine Motivation daraus «auch in scheinbar ausweglosen Situationen immer wieder Erfolge einzufahren» und sich in der Bundesliga zu behaupten. Auch wenn es Unruhe aus dem Umfeld der Offiziellen gibt, lässt er sich nicht beirren. «Ich weiß, dass ich mehr vom Fußball verstehe, als alle zusammen hier im Klub», behauptet er selbstbewusst.Und wenn am Ende einer Saison die Arminia-Fans sagen können: «Jetzt haben wir es allen in Deutschland wieder gezeigt», ist das für den 44-Jährigen das Größte.
(...) "Mir ist das wirklich fürchterlich egal. Die Mannschaft und ich würden doch nur unnötig Energie verlieren, wenn für uns über jede Expertenmeinung aufregen würden. Wir müssen versuchen, unsere Möglichkeiten optimal zu nutzen. Wir sind nun mal ein Verein, der sehr schmal aufgestellt ist und versucht, durch eine vernünftige Personalpolitik die Abgänge aufzufangen.
(...) Wir haben das System im Vergleich zum letzten Jahr etwas geändert, haben auf 4-4-2 umgestellt. Auf die vielen Abgänge musste ich reagieren, obgleich die Unterschiede zum 4-3-2-1 vom vergangenen Jahr nur Nuancen sind. Man muss immer schaun, dass die Mannschaft sich dabei wohl fühlt, und das klappt dieses Jahr ganz gut bei uns. Wir sind aber auch flexibel und boxen nicht stur dieses System durch. Wir können auf andere Mannschaft reagieren und haben immer einen Plan B in der Tasche.
(...) Hohe Disziplin gegen den Ball. Das heißt bei Ballbesitz des Gegners die Räume und Passwege zustellen. Der Spieler auf dem Platz muss strategisch denken können. Das versuche ich den Spielern mitzugeben. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, und wir werden bestimmt noch zwei, drei Monate brauchen, bis wir bei dem Defensivverhalten angelangt sind, das ich mir vorstelle. Wir müssen immer am Limit arbeiten, im Training wie im Spiel, um erfolgreich zu sein. Im vorderen Bereich wollen wir jeglicher Kreativität Raum geben. Wir haben Individualisten wie Zuma, Boakye, Vata oder auch Kobylik. Das schnelle Spiel nach vorn wird dem Ego dieser Spieler gerecht, da dürfen sie sich ausleben. Doch diese Spieler wissen auch, dass sie nur mit den Kollegen stark sind und auch nur dann Erfolg haben, wenn alle in ihrem Bereich 100 Prozent arbeiten, wenn nicht, bekommen wir Probleme wie in etwa in Frankfurt.
(...) Zuma zum Beispiel war in Kopenhagen der Superstar. Der ist ein ganz lieber Kerl, kommt zum Training, sagt jedem guten Tag, trainiert wie ein Wahnsinniger und geht dann wieder nach Hause zur Familie. Wir haben in Bielefeld keinen Starkult.
(...) Mich freut es immer wieder, dass wir Spieler motivieren können, nach Bielefeld zu wechseln, die von anderen Vereinen vielleicht nicht so ernst genommen werden. Das ist unsere Chance, dass wir Spieler bekommen, die woanders nicht ihr Leistungsvermögen abrufen konnten oder sehr jung sind und aus der dritten oder zweite Liga kommen. Wenn die sich dann entwickeln, haben wir eine gute Ausrichtung und Chance wettbewerbsfähig zu sein. In den letzten Jahren ist uns das immer ganz gut gelungen, wie etwa bei Patrick Owomoyela, der aus der Regionalliga von Paderborn kam. Allerdings ist es in Bielefeld auch immer so, dass die auffälligsten Spieler auch gleich wieder weg sind.
(...) Wissen Sie, für mich ist das hier eine Lebensaufgabe, und die ist noch nicht beendet. Deswegen denke ich darüber gar nicht nach, woanders hinzugehen. Ich habe hier als Sportdirektor und Trainer gute Arbeit geleistet. Das soll jetzt nicht arrogant klingen, aber ich kann beides, und das zählt für mich. Was die Medien daraus machen, ist mir egal. Ich brauche nicht mehr auf der ersten Seite einer Zeitung zu stehen. Das hatte ich als Spieler lange genug. Noch mal eine andere Aufgabe anzupacken, kommt vielleicht mal irgendwann in der Zukunft.
(...) Na ja, wir sind auch schlecht gestartet. Und nach dem Gladbach-Spiel hat man hier auch die Köpfe zusammengesteckt. Doch das interessiert mich herzlich wenig. Ich weiß, dass ich mehr vom Fußball verstehe, als alle zusammen hier im Klub – damit meine ich die Offiziellen im Aufsichtsrat etwa. Mit denen brauche ich über Fußball nicht zu diskutieren. Mein Vorteil ist, dass ich seit elf Jahren hier bin, und wir schon ganz andere Situationen gemeistert haben.
Es ist doch jedes Mal dasselbe: Keiner rechnet mit uns, doch wir fahren auch in scheinbar ausweglosen Situationen immer wieder Erfolge ein und behaupten uns in der Bundesliga. Und wenn wir abgestiegen sind, sind wir gleich wieder aufgestiegen – das packt nicht jeder. Daraus ziehe ich auch meine Glaubwürdigkeit. Und es freut mich riesig, wenn unsere Fans sagen können: Jetzt haben wir es allen in Deutschland wieder gezeigt. Das macht mir Spaß."
(Quelle: Netzeitung)




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