Wenn Arminia gewinnt, hat der Gegner immer besonders unterirdisch gespielt (Teil 872)
Langsam werden wir müde, es immer wieder gebetsmühlenartig festzustellen: Nach Arminia-Siegen wird immer, und zwar im tatsächlichen Sinn des Wortes: immer zuallererst über die unfassbar schlechte Leistung des Gegners berichtet und die meist daraus resultierende Krise des unterlegenen Teams in den Mittelpunkt gestellt. Und in den meisten Fällen bleibt es auch dabei - man ist ja schon dankbar, wenn wenigstens in die Abmoderation in irgendeinem Nebensatz ein gehauchter "Glückwunsch an Arminia" genuschelt wird.
So gut wie nie jedoch kommen die Herren "Fußball-Experten" der überregionalen Medien - wenn man von einer Ausnahme wie Rolf Töpperwien mal absieht - auf den Gedanken, daß dies womöglich mit System geschieht. Daß es kein Zufall ist, daß etliche Teams "so schlecht" gegen Arminia aussehen. Daß es eben oftmals ganz offenbar an der hervorragenden taktischen Ausrichtung durch Thomas von Heesen und einem meist bravourös stehenden Abwehrverbund liegt.
Technisch brilliante Hacke-Spitze-Offensivaktionen alá FC Barcelona erzeugen mehr "unmittelbare" Freude beim Gelegenheits-Zuschauer als eine taktisch disziplinierte Defensivabteilung - das ist sogar für mich, zentraler offensiver Mittelfeldspieler beim Bielefelder Wildligisten Dieter Hoeneß Hirnverband, nachvollziehbar. Selbst wenn ich zur Zeit langsam aber sicher auf meine Altersteilzeitposition, den Liberoposten, abgeschoben werde. Jedoch die in diversen Spielberichten immer wiederkehrende - zumindest implizite - Unterstellung, Arminia zerstöre in erster Linie das Spiel des Gegners oder stelle sich sogar hinten rein und gewinne nur, weil der Gegner so schwach gespielt hat, zeugt von fußballerischer Inkompetenz und mangelndem Sachverstand sondergleichen.
Konterfußball mit System als logisches Konzept eines Teams, daß aufgrund der Umstände, in denen in Bielefeld nunmal Bundesligafußball realisiert wird (der gern zitierten normativen Kraft des Faktischen), gar nicht in der Lage sein kann, ein Spiel zu spielen, das darauf angelegt wäre, die zahlreichen finanzstärkeren und oft besser bestückten Teams 70 Minuten in den eigenen Strafraum zu drängen und mit offensivem Powerplay so Siegesserien zu erzwingen.
Die letzte Saison verlief diesbezüglich großteils brilliant. Das war Konterfußball erster Güte, u.a. natürlich mit einem Delron Buckley in Idealform (die er in Dortmund interessanterweise bisher vergeblich sucht wiederzufinden).
Diese Saison glänzt zuallererst der Defensivverbund um Heiko Westermann, Marcio Borges, Rübe Kauf & Co. Das schnelle Umkehrspiel (wie es schön in der DDR genannt wurde) ist noch stark ausbaufähig, insbesondere mit dem vergangenen Jahr als Maßstab.
So erklärt sich jedoch für jeden leicht nachvollziehbar, daß Arminia zuletzt mit 3 Toren 10 Punkte gemacht hat. Dreimal 1:0, einmal 0:0. Wie sagte Thomas von Heesen nach dem Sieg in Hannover zur Ausbaufähigkeit der Handlungsschnelligkeit beim Konterspiel so trefflich:
"Wenn wir das auch noch könnten, wären wir ja auch nicht Zwölfter, sondern Dritter oder Vierter."




Gut gebrüllt Sieker Löwe!
Passend dazu der zitierte Spielbericht zum Spiel Hannover - Auswärtsmannschaft aus Oliver Fritsches Newletter:
Erstmal,
bin nach 14Jahren Hamburger Flachland wieder im ostwestfälischen Oberzentrum gelandet und hocherfreut über diese erste ernstzunehmende Auseinandersetzung mit meiner alten Liebe. Danke und Bravo.
Nun zum Thema: Es fällt natürlich auf, dass immer die Anderen, das interessantere Thema haben, aber das liegt vielleicht auch an der Spielweise, die sich gewollt oder ungewollt in der Rückrunde eingestellt hat. Das sehr konzentriert defensive Verhalten lässt den Gegner schlecht aussehen, ohne das selbst besondere Highlights gesetzt werden. Da müssen sie sich (bzw. TvH, hoffentlich) in der neuen Saison was einfallen lassen.
Kai
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