Blick hinter die Kulissen

Eine sinnvolle Alternative zum Kicker-lesen (siehe ein Beitrag weiter unten): Die brandneue 11FREUNDE, in der ebenfalls ein ausführliches Interview mit TvH zu lesen ist. Das interessante aber: Da das Print-Interview von den Ereignissen der letzten Tage knapp überholt wurde, wird auf 11freunde.de eine spannende Fußnote nachgeliefert. Aber der Reihe nach. In der Printausgabe erfahren wir u.a.:

TvH: Für die Zukunft aber sehe ich einige Probleme auf uns zukommen: Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir noch keinen Zugang für die kommende Saison (...) Arminia muß immer etwas früher am Start sein als reiche Vereine. (...) Wenn Westermann und Zuman am Ende der Saison gehen, bekommen wir große Probleme, wenn nicht rechtzeitig adäquter Ersatz kommt.

11FREUNDE: Haben Sie nach 12 Jahren als Spieler, Manager und Trainer bei Arminia nicht mehr oder weniger freie Hand was Transfers anbetrifft? Sie gehören doch fast zum Inventar.

TvH: Nein. Das ist aufgrund der Struktur des Vereins nicht möglich und aus meiner Sicht auch nicht gut. Meine Aufgabe besteht darin, jeden Tag die Mannschaft zu trainieren und sie am Wochenende top vorbereitet ins Spiel zu bringen. Für den Rest ist die Geschäftsführung verantwortlich. Ich habe dem Vorstand bereits vor geraumer Zeit mitgeteilt, daß wir dringend etwas an der Altersstruktur ändern müssen. Sieben Stammspieler sind im Sommer über 30. Die dafür notwendigen Alternativen für die Zukunft stehen noch aus. (...)

Ich bin sehr bodenständig. Und Bielefeld ist mir ans Herz gewachsen, weil ich hier 1994 in der Regionalliga als Spieler angefangen habe und später unter Rüdiger Lamm das aufgebaut wurde, was die Grundlage für den heutigen Bundesligisten ist. (...) Wir müssen unser Konzept optimieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn der Verein lebt davon, sich günstig mit Talenten zu verstärken und diese als fertige Spieler teuer abzugeben. Für das Prinzip müssen wir aber wachsamer sein als zuletzt.

Ich bin 45 Jahre alt und habe natürlich die Ambitionen, irgendwann eine Mannschaft zu trainieren, die konstant auf höherem Niveau spielt. Aber derzeit habe ich nur ein Ziel: Solange ich in Bielefeld arbeite, will ich Strukturen schaffen, die so gut sind, daß der Verein auch in Zukunft in der Bundesliga spielen kann. (...) Ich liebe Bielefeld (...) Warum soll ich nicht noch 10 Jahre hierbleiben? Andererseits mache ich mir schon Gedanken, wenn ich manche Äußerung von Verantwortlichen lese, ob meine Grundideen für die erfolgreiche Arbeit noch kompatibel mit den Ideen des Klubs sind. Da bin ich mächtig am grübeln.

Hier geht es nicht um mich. Meine Überlegungen sind immer mit dem Schicksal des Vereins verbunden. Ich brauche keine neuen Spieler für meinen Seelenfrieden, ich argumentiere aus der Perspektive des Teams. (...) Die Frage ist, ob es genug ist, das zu verwalten, was wir geschaffen haben oder ob wir es schaffen, es im 4. Jahr Erstligazugehörigkeit weiter zu entwickeln. Ich möchte mit Bielefeld nicht mehr von der Hand in den Mund leben. Sportlich gesehen, würde ich mir längerfristiges Denken wünschen. Deshalb werde ich abwägen, ob wir unter den gegebenen Umständen noch erfolgreich sein können. Wenn ich das Gefühl habe, das Haus ist fertig und einer der Architekten soll nur noch verwalten und aufpassen, daß das Haus nicht einbricht (...), kann ich auch loslassen.

(Quelle: 11FREUNDE, Ausgabe 63, Februar 2007)

Nicht nur aufgrund des Interviews wieder mal eine Pflichtlektüre - als Libero des Dieter Hoeneß Hirnverband aber allein schon wegen des schicken Covers ein Glanzstück:

11FREUNDE Februar 2007

Auf 11FREUNDE.de wird aufgrund der neuen Sachlage nun vorbildlich flink ergänzt und (ein wenig) aus dem Nähkästchen geplaudert:

Was Thomas von Heesen an diesem Tag „off the record“ mitteilt, wie es im Journalistenduktus heißt, ist eine detaillierte Illustration des internen Kompetenzgerangels zwischen sportlicher und geschäftlicher Ebene bei einem derzeit recht erfolgreichen Bundesligaverein. (...) um es kurz und mit aller Wertschätzung zu sagen: Von Heesen mag ein cleverer Coach sein, ein Pokerface ist er nicht. Schnell, schnell, mit seinem Fahrplan für das Gespräch hält er nicht lange hinterm Berg: „Viel reden, nichts sagen.“ (...) Als er aber gefragt wird, ob er als langjähriger, verdienter Mitarbeiter der Arminia in unterschiedlicher Funktion nicht aus den herkömmlichen Hierachien einer Vereinsstruktur rausgelöst sei, ordnet der Trainer erstmals an, das Tonband auszuschalten.

Von diesem Moment an lässt von Heesen keine Gelegenheit aus, in jeder Gesprächspause – offensichtlich von der eigenen Redseligkeit überrascht – einzuflechten: „Was erzähle ich hier bloß...? Ich muss das alles freigeben.“ Es hat den Anschein, als greife er bei vollem Bewusstsein auf eine heiße Herdplatte. Tut zwar weh, lässt sich aber nicht ändern. Einerseits fühlt er sich dem Verein moralisch verpflichtet, andererseits ist es ihm offensichtlich zu blöd, 11 FREUNDE einen vom Pferd zu erzählen. Kurz: Hier redet sich ein Mann den Frust von der Seele.

Erst nach zwei Stunden kommen wir zum Ende und haben danach keine Zweifel: Ob mit oder ohne neuen Verein, der 45-Jährige wird in der kommenden Saison nicht mehr Trainer des DSC Arminia Bielefeld sein. Das Dilemma: Dem gedruckten Interview wird man das nur bedingt anmerken. Im deutschen Journalismus ist es üblich, die Druckfassung eines Interviews vor Redaktionsschluss noch einmal zur Autorisierung vorzulegen. Auch wir bei 11 FREUNDE stimmen aus Gründen der Fairness und um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen, die durch die Transkription in die schriftliche Form entstehen könnten, die Endfassung mit unseren Interviewpartnern ab. Wesentliche Teile von Thomas von Heesens Ausführungen können wir daher getrost ins Nirwana unserer Gehirnwindungen verbannen.

(Quelle: 11freunde.de)

Kehr, kehr - da hätte man doch nur zu gerne Mäuschen gespielt.

Aus der Kategorie:
Bild von vanNieselroy

Klingt ein bisschen nach "Wir haben versprochen, niemandem zu sagen, dass..."

Bild von Hippo

Man könnte auch sagen, Thommy macht das alles sehr geschickt. Erinnert sei auch nochmal an den Beitrag, der an seine Worte erinnert, als er noch Saftigs Position innehatte.

Bild von Anonym

Soll der Tommy sein Glück doch auch mal versuchen. Es wird sich schon ein geeigneter Nachfolger finden. Dabei sollten wir uns nicht von "großen Namen" blenden lassen - oder wie heißt der aktuelle Erfolgstrainer vom 1. Fc Köln??? :-)

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