“Plädoyer für den Unstadtklub” - lesenswert insbesondere für “gepuderte Mittelstandsfötzchen”

Seit dem niedlichen Arminia-Artikel von Clara Boie auf ZEIT.de ist viel Wasser die Lutter hinunter geflossen und wir haben u.a hier und hier vornehm zurückgeschimpft.

TAZ-Kolumnist Fritz Tietz stellt heute trotzdem nochmal in deutlichstem Deutsch klar, daß das Gewettere gegen die titellose Arminia in etwa so originell ist, wie den VfL Wolfsburg blöd zu finden, weil er weder Tradition noch Fans hat.

Blog5 hat derweil übrigens recherchiert, welches heiße Eisen Clara Boie ihrem Chefredakeur als nächstes vorschlagen will: Eine knallharte Artikel-Serie zum umstrittenen Thema "Warum ich PUR doof finde". Vorschläge für zwei erste Folgen hat sie auch schon: "Teil 1: Die Texte von Hartmut Engler", gefolgt von "Teil 2: Die Musik".

Herr Tietz macht einen weiten Einwurf
Plädoyer für den Unstadtklub
KOLUMNE VON FRITZ TIETZ

"Bielefeld, einst bezeichnet als die ,Mutter aller Unstädte', hat mit Arminia Bielefeld den ,Vater aller Unvereine'." So heulte die Journalistin Clara Boie vor gut zwei Monaten auf ZEIT-online - dem "Onkel aller Unlineausgaben", wie man die Netzausgabe der Hamburger Wochenschrift in diesem Zusammenhang vielleicht mal bezeichnen muss. Oder sollte man, schon des alliterierenden Effekts wegen, nicht sogar "Unke aller Unlineausgaben" sagen? Egal.

Zurück zur Zeit.de-Boie und ihrem Arminia-Bielefeld-Unsinn (...) "Was hat Bielefeld schon für Erfolge zu verzeichnen?" Das war natürlich rhetorisch gemeint. "Keinen", schob die Autorin denn auch gleich nach, und heizte den Ostwestfalen dann erst richtig ein (...)

Dass der endgültige Klassenverbleib mit einem sagenhaften 3:2-Sieg über die bis dahin noch als Meisterschaftsaspiranten gehandelten Bremer gelang, scheint mir insofern bemerkenswert, als sich hier der Deutschen beliebtester Bundesligist den fast schon sicheren Titel ausgerechnet vom unbeliebtesten der Liga vermasseln ließ. (...) Da kann man mal sehen. Zum Beispiel: wie viel Schneid es hierzulande braucht für eine Bielefeld-Beschimpfung.

(...)

Man kann sich eben seinen Klub nicht aussuchen. Zudem waren dessen gefühlte Antipathiewerte schon immer so hoch, dass einen auch der jetzt statistisch erhobene Abneigungsindex nicht mehr recht umhauen kann.

(...) wenn als die entscheidende Maßgabe für seine One-Way-Ticketierung die Erfolge angeführt werden, die sich zu kaufen dieser Club bislang nicht in der Lage war. Auch bricht sich da doch exakt jene Haltung Bahn, wie sie von so gepuderten Mittelstandsfötzchen, das Frau Boie hoffentlich nicht ist, immer häufiger auch solchen Absteigern entgegengebracht wird, die man im echten Leben Hartz IV, Unterschicht oder Prekariat heißt. Chronisch Erfolglose auch sie und damit Überflüssige, die bitte von der Bildfläche zu verschwinden haben? Genauso hört sich Frau Boies Arminia-Zeug an.

(Quelle: Fritz Tietz / TAZ.de)

Aus der Kategorie:
Bild von Hippo

Bravissimo!

Bild von Anonym

Ganz hervorragend! Chapeau bas, Herr Tietz!

Bild von Anonym

Ach...,
... das einzig Bemerkenswerte an Clara Boies - wie soll ich sagen? - "Text" ist der Umstand, dass es sich die "Zeit" vor ein paar Jahren niemals erlaubt hätte, Zeilen zu veröffentlichen, die in Aufbau, Satzstruktur und Formulierung nicht einmal den Anforderungen eines Schüleraufsatzes für die 5. Klasse genügt.
Es will mir nicht in den Sinn, wie es einer Person, die sämtliche journalistischen Grundregeln völlig außer acht lässt, gelungen ist, für dieses Unternehmen schreiben zu dürfen.
Da ich in dieser Funktion hier nicht tätig bin, erlaube ich mir die Freiheit, mich auf ebensolches Niveau zu bewegen und zu sagen: "Frau Boie, Sie gehören an den Herd. Gehen Sie bitte auf direktem Wege dahin. Gehen Sie nicht über Los und ziehen Sie auch keine 4.000,- € ein. Hauen Sie einfach ab."
Dieser Wunsch gründet nicht in einer eventuellen Verbitterung ausgelöst durch Lästereien gegenüber meinen Blauen. Die gibt und gab es immer schon, überall und immerfort. Das ist der gemeine Armine gewohnt. Es ist ihm egal.
Sogar sehr.
Es geht - natürlich - um mehr, aber darüber hat Herr Tietz bereits ausführlich referiert.
Meint Johnny.

Bild von Anonym

Darf man denn noch ungestraft mittelmäßige Schreiberinnen als gepuderte Mittelstandsvötzchen bezeichnen, ohne dass irgendwo irgendwer die Sexismus-Keule rausholt?

Hätt ich nicht für möglich gehalten, aber dann wieder was dazu gelernt.

Bild von Anonym

Das 'gepuderte Mittelstands..." hätte ich so auch nicht in der Printlandschaft edrwartet. Besonders nicht in der TAX. Aber sosnt natürlich volle Zustimmung - von einem Blau-Weissem mit durchaus Sympathien für die Blau-Schwarzen. Wobei doch schade ist, dass Masmanidis sich bei Euch irgendwie nicht weiterentwickelt.

Bild von Anonym

PS.: Bin gerade im fernen Osten und die Tastatur klemmt. Sorry.

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