Was ist grün und stinkt nach Schnaps?

Werderfan Görch machte uns dankenswerterweise auf ein Posting im Werderblog aufmerksam, welches als "Service für alle Werderaner ( und auch Fans anderer Mannschaften )" verstanden werden will. In diesem "kleinen, subjektiven Stadioncheck aus Sicht des Auswärtsfans" bleibt auch Arminia nicht unerwähnt:

(...)

  • Vor dem Spiel: Durch die Lage mitten in einem Wohngebiet befinden sich, ähnlich wie bei uns, jede Menge Kneipen in der Umgebung. Sehr lasche Kontrollen, man wundert sich hinterher, was man so alles noch in der Tasche hatte.
  • Catering: Ja, wir waren als VIP eingeladen. Der VIP-Bereich kann allerdings lange nicht mit unserem Platinbereich mithalten. Das Essen war ok, mehr nicht.
  • Plätze: Kein schönes Stadion, sehr Oldschool. Die Plätze sind ok, es scheinen auch keine mit Sichtbehinderung zu existieren.
  • Fans: Die Bielefelder Fans stehen uns relativ neutral gegenüber, wer sich benimmt kann mit den Jungens auch gut einen trinken

Unter'm Strich würd ich sagen: Arminia kommt nicht ganz schlecht dabei wech. Die Pluspunkte "Lage mitten im Wohngebiet", "Jede Menge Kneipen in der Umgebung", Stadion "sehr Oldschool" (begreife ich als Kompliment) und "kann mit den Jungens auch gut einen trinken" stehen dem Plusminuspunkt "Essen war ok, mehr nicht" (aber wen interessiert schon der VIP-Bereich, der ja jetzt ohnehin neu bewertet werden muss?) gegenüber. "Sehr lasche Kontrollen" deute ich als Negativpunkt, möglich aber auch, daß sich die Werderblogger wie Bochumer freuen, alles Stadion reinzukriegen.

Kneipen und Trinken spielen bei der Bewertung offenbar eine große (Pluspunkt-)Rolle und das deckt sich mit einem zwei Jahre zurückliegenden Erlebnis, als ich aus'm Urlaub von Wangerooge zurückkam – mit'm Zoch und Umsteigen auf'm Bremer Hauptbahnhof vor einem Werder-Heimspiel.

Ich hab ja immer Mitleid mit normalen, nach Erholung suchenden Urlaubsreisenden, die während ihrer Reiseplanungen den Bundesligaspielplan nicht berücksichtigen und sich auf einmal mit ihren ganzen Koffern, Taschen und Nordic-Walking-Stöcken in einen mit Fußballfans überfüllten Zug quetschen müssen, dessen Klimaanlage nicht für solche Menschemassen, 50°C und eine von Alkoholausdünstungen geschwängerte Luft ausgelegt ist. Der Urlaub beginnt/endet zwangsläufig mit einem Stimmungstief, von dem man sich nicht mehr so schnell erholt.

Mein Mitleid ermunterte mich jedoch nicht, den Bundesligaspielplan in unsere Reiseplanungen einfließen zu lassen. Meine Erfahrung bewahrte mich höchstens davor, mir meine Stimmung zu sehr vermiesen zu lassen (ich bin ja sonst auf der anderen Seite). Doch mein "Die sind ganz lieb, die wollen nur spielen" vermochte es nicht, die anderen Heimreisenden davon abzuhalten, ihren Urlaub für gescheitert zu erklären. Nicht zuletzt deshalb, weil diese als Deeskalationsmaßnahme beabsichtigte Notlüge in direktem Gegensatz zu meinem panischen Blick stand, mit welchem ich das Public Komasaufing einer Gruppe junger Werderfans beobachtete, die sich bereits wenige Stationen nach Fahrtbeginn aber noch viele, viele Stationen vor dem Bremer Hauptbahnhof nicht mehr die Mühe machten, ihren Rum und Wodka noch mit Cola zu mischen, indem sie den Rum der Einfachheit halber gleich mit dem Wodka mischten. Einige Stationen später machten sie sich dann auch nicht mehr die Mühe, die 2-Liter-PET-Pulle überhaupt noch mal abzusetzen. Ein Absetzen der Flasche wäre wahrscheinlich mit einem Erbrechen einhergegangen – und zwar in hohem Bogen durchs Abteil, über die Koffer, Taschen, Nordic-Walking-Stöcke und Hüte bzw. Frisuren der Mitreisenden. Ich kann mir nicht nur nicht vorstellen, daß ihnen noch Eintritt ins Weserstadion gewährt wurde, sondern ebenfalls nicht, daß sie den Bahnhofsausgang geschweige denn das Stadion überhaupt gefunden haben. Alkopops wären für diese Typen eiskalter Entzug. Wahrscheinlich können sie diese Zeilen heute nicht mehr lesen. Degeneration einer Generation.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das! war! krass! Und obwohl es wohl den wenigsten Werderfans gerecht wird (eigentlich sind sie und der Verein mir ja sehr sympathisch), verbinde ich sie seit diesem Erlebnis mehr als andere Fußballfans mit Allohol...

An Werder / Weserstadion habe ich übrigens abgesehen von dieser Geschichte und den Arminia-Ergebnissen gute Erinnerungen. Ähnlich wie die Alm "Schüco-Arena" ein stadtnah gelegenes Oldschool-Stadion mit immerhin schönem Namen, schönen Oldschool-Flutlichtmasten und einer Faninitiative, die sich drum kümmert, daß alles so bleibt wie's ist. Im und um's Stadion herum hab ich keine alloholisierte Fans bemerkt. Alle ganz lieb. Ob man irgendwas (z.B. Schnaps) ins Stadion schmuggeln kann, weiß ich nicht, hab's nicht ausprobiert.

PS: Hab ich eigentlich schon mal die Geschichte von dem Arminia-Fan erzählt, der an einem Sonntagabend auf dem Rückweg von einem Schalke-Spiel darauf wartete, daß sich die S-Bahn-Tür in irgendeinem Ruhrpott-Bahnhof öffnet, damit er seelenruhig aus dem Waggon heraus auf den Bahnsteig pinkeln konnte und nach dem Schließen der Tür geduldig die Ankunft in die folgende S-Bahn-Station abwartete, um sein kleines Geschäft nach erneutem Öffnen der Tür an jenem Bahnsteig vollenden zu können?

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