Alemannia - Arminia 2:0 — “Abstiegskandidat Nummer eins”
Nein, Sportjournalisten sind nicht die allergrößten Deppen der Welt. Aber ihr Urteil ist nicht qualifizierter als das 'normaler' Fußballfans, denn es hängt auch nur vom unmittelbaren Geschehen auf dem Platz, meistens sogar nur vom Ergebnis des letzten Spieltages ab. Zu sagen, die Mannschaft hätte im Herbst über ihrem Niveau gespielt, wäre nur dann ein Ausdruck von großem Sachverstand, wenn es bereits im Herbst gesagt worden wäre (beispielsweise nach dem Hinspiel gegen Aaaaaaachen). Aber damals wurde Arminias Spiel von den 'Fach'journalisten nicht als Absteiger- sondern noch als Konzeptfußball™ gefeiert. Wenn also niemand einen entsprechenden Artikel von Peter Ahrens findet, sollten wir uns von seiner Meinung nicht beeindrucken lassen und weiter an den Klassenerhalt glauben. Ihm selbst und seinesgleichen empfehlen wir ein Studium der Blog5-Formulierungshilfe für Expertenprognosen. spiegel.de
Abstiegsangst bei Ekel-Ernst (...) Arminia Bielefeld avanciert unter Ernst Middendorp zum Abstiegskandidaten Nummer eins, und Thomas Doll schafft es mit Borussia Dortmund vielleicht doch noch in die zweite Liga. Meine sportjournalistische Grundausbildung habe ich in Bielefeld genossen. (...) Ich erinnere mich zum Beispiel, dass damals in der Redaktion der "Neuen Westfälischen" stets akute Unlust ausbrach, wenn es darum ging, die Pressekonferenz von Arminia vor dem wöchentlichen Pflichtspiel besuchen zu müssen. Denn dort hatte ein junger Trainer beim damaligen Drittligisten sein Amt angetreten, der jeden Journalisten so behandelte, als sei man mindestens der allergrößte Depp der Welt. (...) Der Mann hieß Middendorp und hatte sich unter Presseleuten in Rekordzeiten den Ruf des Unsympathen redlich erarbeitet. "Ekel-Ernst", so der Ehrentitel des Trainers. Sei es drum, das ist lange her (...) Die Mannschaft wirkte auch mit neuem Trainer auf dem Aachener Tivoli wie ein Zweitligist auf Fortbildungsurlaub - vor allem in der Offensive. (...) Und mal ehrlich: In der Hinrunde hat die Mannschaft Ergebnisse über ihrem Niveau erzielt, über ihren Möglichkeiten gespielt. Das lässt sich zehn Spieltage durchhalten, vielleicht auch 15, aber nicht über eine ganze Saison. Von daher lege ich mich einfach mal fest: Bielefeld ist der Abstiegskandidat Nummer eins. Außerdem: Middendorp in der zweiten Liga - in diversen Redaktionen der Republik würde man sich darüber wohl auch freuen. So schnell vergessen Journalisten nicht.




Das ist allerdings wirklich eine mutige Prognose. "Arminia - Abstiegskandidat Nummer 1". Man wäre nach der Rückserie wirklich nicht drauf gekommen. So muss Journalismus sein: immer quer zur öffentliche Meinung, die Arminia ja derzeit als UEFA-Cup-Kandiat handelt.
Man davon abgesehen: Middendorp könnte in den nächsten zehn Jahren sämtliche Benimmpreise dieser Republik absahnen, Peter Ahrens stünde immer noch da mit erhobenem Zeigefinger und würde krähen: "Aber damals..."
Was erwartest Du auch von einem, der beim Spiegel über Sport schreiben muß? Das ist ja nun das Kompetenzzentrum für Sportjournalismus schlechthin. Ist sicherlich so wie bei den Berliner Philharmonikern ab und zu in einer Symphonie die Triangel betätigen zu dürfen. Und damit man überhaupt wahrgenommen wird, spielt man diese dann mal so schräg wie möglich, obwohl das eigentlich nicht geht.
Peter Ahrens ist ja freier Journalist, der nicht beim Spiegel schreiben "muß", sondern dessen Meinung bei Spiegel.de veröffentlicht wird, wo ja hin und wieder auch ganz tolle Meinungen veröffentlicht werden ;-). Deshalb ist ja egal, ob's im Kicker oder bei Spiegel-Online oder sonstwo steht.
Philipps Kommentar beschreibt vielleicht besser, worum es geht: Nach dem Spiel gestern und der Rückrunde insgesamt zu sagen, Arminia sei Abstiegskandidat Nr. 1 ist etwas trivial - um nicht zu sagen: Langweilig.
Und es wird nicht kompetenter, wenn man jetzt sagt, man hätte es ja schon immer gewusst. Erst recht nicht vor dem Hintergrund tief in der Biographie verwurzelter Ressentiments.
Doch was soll die ganze Aufregung? Freuen wir uns einfach darüber, daß Arminia - im Gegensatz zu anderen grauen Mäusen - Thema eines Spiegel.de-Bundesligakommentars ist. Und: Entscheidend ist auf dem Platz, nach dem Spiel ist vor dem Spiel, eine Saison dauert 34 Spieltage und abgerechnet wird zum Schluss. Da hört es mit meiner Fußballkompetenz auch schon auf.
O.K. bin zur Zeit etwas zart besaitet, wenn es um Arminia geht ;-). Wollte dem Kommentar von Philipp noch einen draufsetzen. Wäre ja noch zu klären, wer eigentlich die berühmte "Bratwurst" war...
Ein Reporter einer Kölner Lokalzeitung? Oder Christoph Daum? Tja, so ist das mit Legenden - am Ende weiß selten jemand, wie's wirklich genau gewesen war... ;-)
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