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Arminia und die BILD

Man muss gar nicht bei Adam und Eva und Günter Wallraff anfangen, um der BILD-Zeitung eine jahrzehntelange Tradition von unseriöser Meinungsmache gegen Menschen aus anderen Ländern, Kulturkreisen und generell alles Fremde nachzuweisen - sofern es gerade zur Linie des Blattes passt. Dass diese sich ändern kann, sehen wir jetzt. Die große Frage ist, warum?

Das Boulevardblatt hat bereits in den 90er Jahren maßgeblich mitgeholfen, mit üblen Überschriften und Artikeln ein Klima mit zu befeuern, das Rostock, Mölln und Solingen erst ermöglichte, und ist bis heute meist sehr offenherzig hetzerisch unterwegs, was es dem BILDblog, Stefan Niggemeier & Co seit Jahren sehr einfach macht, Beweise akribisch zu dokumentieren.

Nur exemplarisch sei verwiesen auf Artikel und Sammlungen wie "Brandstifter im Löscheinsatz", "Wie BILD den Hass gegen Flüchtlinge schürt" oder auch "Wie BILD Ausländerfeindlichkeit fördert".

Spätestens die Reaktion von Kai Diekmann auf den FC St. Pauli reißt der eigentlich (oder vermeintlich) gut gemeinten Aktion "Wir helfen" die scheinheilige Maske herunter, worum es der BILD wirklich geht: Um sich selbst - und eben nicht um die Hauptsache, nämlich um schnelle und konkrete Hilfe für Flüchtlinge in Not.

Es mutete schon zu Beginn der "Wir helfen"-Aktion recht zweifelhaft an, dass sich ausgerechnet einer der jahrzehntelangen Brandstifter plötzlich als vorreitende Feuerwehr inszenieren wollte. Wirklich, BILD? Ausgerechnet ihr? Ganz schön zynisch, oder? Aber okay, für die gute Sache, dachte man, bitteschön! Kai Diekmanns (übrigens zum wiederholten mal hochgradig indiskrete) Entgleisungen sind jedoch entlarvende Tropfen in ein bereits zuvor randvolles zynisches Fass.

Charakterstärke ist etwas, das einem als Arminia-Fan ja in die Wiege gelegt wurde, andernfalls wäre man ja bequem beim FC Barcelona gelandet. Deshalb war unsere Hoffnung, dass sich auch unser Klub "stur und ostwestfälisch" nicht unreflektiert vor den Karren dieser geistigen Brandstifter spannen lässt (zumal sich Kai Diekmann bei günstigen Gelegenheiten gern auch mal als "Fan" von Arminia Bielefeld ausgibt), sondern wie insbesondere Union Berlin und der FC St. Pauli seinen eigenen Weg findet, mit dem Zwiespalt zwischen "helfen wollen" und BILD umzugehen.

Vielleicht rückt das alles aber tatsächlich eine Sache in den Vordergrund, die besser später nochmal in Ruhe thematisiert wird, wenn mehr Zeit für reflektierte Betrachtung da ist - und weniger unmittelbare Notwendigkeit nach unbürokratischer Solidarität und Hilfe.

Denn: Zweifelsohne erreicht die BILD-Zeitung noch eine Menge Menschen, die sich andernorts womöglich längst ausgeklinkt haben. Der AfD- und Facebook-Mob bezieht mutmaßlich selten philantrope Wochenmagazine und raschelt empathisch mit dem ZEIT-Feuilleton, wenn Sascha Lobo über Hilfsbereitschaft und Weltverbesserer nachdenkt.

Trotzdem sind wir sehr, sehr dankbar für die aktuell fünf Bundesliga-Ausreißer. Damit wenigstens diskutiert wird. Damit wenigstens nicht völlig unwidersprochen und geschichtsvergessen hingenommen wird, welches Blatt sich hier plötzlich als Flüchtlingshelfer und Menschenfreund inszeniert.

Damit sich die BILD ab heute messen lassen muss an ihrer neuerdings lauthals vor sich her getragenen Solidarität mit Menschen, die sie eigentlich seit Jahrzehnten diffamiert und mit Worten verbrennt.

Sprechen wir uns also in 6 Monaten nochmal.

Aus der Kategorie:
Bild von Der aus dem Ruhrgebiet

Danke, Sascha - kluge Worte zu einem wichtigen Thema.

Bild von heinm

Jo. Jeder darf sich bessern. Insbesondere dieses Blatt. Potential genug ist dafür ja da.

Bild von Anonym

Sollte die Überschrift nicht eigentlich "Sascha und die Bild" lauten?

Bild von Sascha

"Sascha für Blog5 über die BILD sowie Arminias Haltung" war leider zu lang - und irgendwie auch redundant...

Bild von Anonym

;-)

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