War das Spiel gestern die erste der angekündigten unpopulären Maßnahmen?
Wenn das Spiel gestern gegen Fürth nicht vor dem Hintergrund der gegenwärtigen finanziellen Situation stattgefunden hätte, dann hätte ich das Geschehen unten auf dem Platz bis zur ca 60sten Minute (wir haben es als "Kick and Rush ohne Rush"-Taktik definiert) als bodenlose Frechheit eingestuft. Es fügte mir sogar leichte körperliche Schmerzen zu. Auch Wolfgang Kneib wurde im Halbzeitgespräch recht undiplomatisch: "Ich vermisse die Leidenschaft" o.s.ä., zustimmender Applaus von den Rängen.
Doch es fand halt vor dem Hintergrund der ggw. finanziellen Situation statt und so ergibt alles Sinn: Die Mannschaft bekam - als erste der angekündigten "unpopulären Maßnahmen" - ihre Siegprämie auch für eine Zu-Null-Niederlage ausgezahlt. Allerdings mit der Verpflichtung, sie zuvor auf dem chinesischen Wettmarkt auf ein entsprechendes Ergebnis zu setzen, um so ihren Beitrag zu Sanierung der Finanzen zu leisten ("Die eine Hälfte des Gewinns bekommt ihr, die andere die KGaA"). Doch dann landete der Ball aufgrund eines Torwartfehlers zufällig doch zum 1:1 im Tor. "Na ja, dann können wir auch gleich gewinnen und kriegen immerhin die Siegprämie zurück" sagten sie sich und schossen noch das 2:1.
Auch nach dem Abpfiff habe ich etwas die Leidenschaft vermisst. Wenn ein Spieler mit seiner Leistung unzufrieden ist und schnell in die Kabine will, ist das völlig ok. Doch dieses Rüberwinken- und Schieben der vom Platz eilenden Spielern vor die Südtribüne seitens der Betreuer und die anschließend deshalb total aufgesetzten Feier- und Jubelposen sind schon ziemlich peinlich. Ist mir schon nach dem Spiel gegen Koblenz aufgefallen.
Übrigens: Als ich es gestern dann doch mal wagte, meinen Blick nach rechts rüber auf das Corpus Delicti

schweifen zu lassen, fragte ich mich, warum wir überhaupt fianzielle Probleme haben. Stecken die 18 Mio dafür nicht auf der Haben-Seite in den Büchern? Insofern wäre es ja sogar gut, daß sie 6 Mio teurer war als geplant. Ob es jemanden gibt, der uns das Ding im Falle eines Falles für 18 Mio abkaufen würde (oder auch nur für 18 Euro), ist ja erstmal egal - macht doch auch Schalke mit seiner Turnhalle so...
Ja, ja, das kenn ich vom Sonntagabend aus Spiegel-, Stern- und Süddeutsche-TV:

Völlig überschuldet die Leute, doch im Wohzimmer den größten Flachbildfernseher.
Nach dem Spiel dann im Stolander für das Vergessen des Geschehens auf und neben dem Platz angetrunken und die ersten Bielefelder Kneipenpfennige ausgegeben.

Doch offenbar immer noch nicht genug getrunken, denn ich weiß ja immerhin noch genug, um diesen Beitrag zu schreiben.



Danke, Situation im Stadion treffend wiedergegeben!Habe ich auch so empfunden. Im übrigen waren die 11.000 Zuschauer incl. Ordner, Polizei (für die Sicherheit wegen der zahlreich angereisten Fans aus dem Baufix-Stadion), Catering-Service-Personal, Sky-Team, Straßenbahnfahrer usw.. Wenn am Freitag 11.000 im Stadion waren, dann hat Bielefeld ab sofort 400.000 Einwohner. Im übrigen ein weiteres Indiz für die arithmetischen Fähigkeiten im und um unseren Lieblingsverein - wie einfach wäre es doch Bayern-Fan zu sein (seufz).
Wie sagte Thomas G. vorher: "Vorne sind sie immer für eine Überraschung gut, hinten sind sie anfällig." Das hat der Kollege Büskens offenbar auch gewusst und aus einer sicher stehenden Deckung mit wenigen Spitzen mehr Druck gemacht als der DSC. Wo war die gut eingespielte Deckung? Dass die so leicht auszuspielen waren, habe ich selten gesehen.
Und vorne war deutlich zu sehen, was Katongos Dauerläufe normalerweise überdecken: Da war nicht fiel. (Wie ich als Arminia euphorisch sage.)
Pässe, die von der Raffinesse von Grundschülern geprägt waren. Ein derartiger Druck, dass nach der ersten Ecke nach 15. Sek. über eine Stunde verging, bis die nächste folgte.
Fordern wir was Unpopuläres: Die Spieler sollen spielen. Wer nicht so gut spielen kann, soll kämpfen. Der Vorstand ist für die Wirtschaft verantwortlich.
Im übrigen: Von St. Pauli lernen! Die haben in Ahlen 80 Minuten ein 0:0 gehalten, um dann souverän noch zwei Tore zu schießen. So steht man vorne!
@Trainingsweltmeister: So einfach ist das auch nicht mit dem Bayern-Fan-Sein: Wolfsburg, Manchester, Vestenbergsgreuth, Bayer Uerdingen...
@Trainingsweltmeister: ...und nicht zu vergessen: Uli Braun 1970 und das schöne Spiel im Schneegestöber, an das sich auch noch die Jüngeren erinnern können.
@Albrecht Thiel: ...jau, Arminia. Wie konnte ich das nur vergessen? Ach ja: Da war mir Bayerns Schicksal herzlich egal!
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