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Zahlenschönreden

Bundesliga der Herzen - erfolgreich die ersten drei Punkte gegen den Aufstieg verloren

Hatte man vor dem Spiel den Aufstieg noch nicht gänzlich ausgeschlossen und ein schönes Symbol dafür

vor die Handylinse gekiegt, so hatte sich das nach dem Abpfiff endgültig erledigt. Doch wieso der Jubel für die Roten?

Wohl deshalb, weil es ein unheimlich netter Fußballabend in einem netten Stadion (nicht Arena!)


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bei einem netten Stadtteil- und nicht großkotzigen Wannabe-Europäischer-Spitzenverein war, wo man Würstchen und Äppler in Plastikbechern

(wenn man "Äppelwoi" bestellt, outet man sich als Nicht-Einheimischer; na ja, das tut man ja ohnehin, wenn man im Arminiablock steht) noch für Bar- statt für Plastikkartengeld in solch sympathischen Buden

bekommt. Die Tickets

erwirbt man in dieser Bude

beim Herrn rechts im roten T-Shirt, der es sich mit seiner Fluppe im Mundwinkel gemütlich eingerichtet hat und einem 11 statt 41 Euro Wechselgeld zurückgibt, aber das, auf den Fehler aufmerksam gemacht und obwohl den großen Schein schon längst in die Kasse geschmissen habend, ganz gelassen korrigiert und viel Spaß wünscht.

Schön. So kann man sagen, daß man mal im Volksbankstadion war


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und freut sich, wenn man dort in der kommenden Saison wieder vorbeischauen darf.

Deshalb also der Jubel: Wir haben erfolgreich die ersten drei Punkte gegen den Aufstieg verloren. Zwote Liga: Die Bundesliga der Herzen - wie es auch Johnny mal schön beschrieben hat:

(...) dass ich lieber nach Frankfurt ins Volksbank-Stadion als in die Commerzbank-Arena fahre. Lieber nach Koblenz als in das gräßliche Gladbacher Bauwerk. Lieber eine echte Bratwurst vom Rost in Oberhausen esse, als einen BigMac in Leverkusen.

Zugegeben: Ich würde mich natürlich auch über einen Aufstieg freuen - aber weniger wegen der Vereine, die einen oben erwarten als vielmehr, weil Arminia nach Ansicht jener Vereine und anderer Beoabachterinnen und Beobachter da oben nix verloren hat und sie sich über uns ärgern würden.

Die Punkte gegen den Abstieg holen wir dann auf der Alm.

Lars, mit dem ich dort war, hat es übrigens beruflich aus Ostwestfalen über den Umweg Berlin vor einigen Monaten nach Frankfurt verschlagen, was ihm sehr gelegen kommt - ist er doch aufgrund eines erzieherischen Missgeschicks seines Vaters Eintracht-Frankfurt-Fan geworden. Doch, so sagte er nach dem Spiel, er wolle nun wohl auch häufiger mal beim FSV vorbeischauen.

Als guter Gast gehört es sich selbstverständlich nicht nur, dem Jubiläum feiernden Verein drei Punkte mitzubringen, sondern auch, Land, Leute und deren Kultur (noch mehr Äppelwoi; im Pempel; grüne Soße) etwas näher kennenzulernen

(konnte ein paar Vorurteile gegen Frankfrut abbauen; voll ok da, zumindest dort, wo wir waren bzw. Lars lebt) und am nächsten Tag das Eintracht-Spiel in einer Eintracht-Kneipe (erinnerte mich etwas sehr an den guten, alten, gott-hab-ihn-selig Eingang 7) zu verfolgen. Auch wenn es hier im Blog etwas off-topic ist, sei schnell noch folgende Personalie exklusiv veröffentlicht:

(hing dort übrigens bereits vor der Niederlage gegen Hannover).

Und um etwas off-topic zu bleiben: Nach einem langen Sky-Nachmittag heute und gestern Abend und der 600sten Frage der Sorte "Was sagt dieser Spielverlauf über Ihre Mannschaft aus, Herr Stanislawski?" hatte ich bereits nach Spieltag 1 die Schnauze voll von Bundesligafußballballübertragung.
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Arminia ist die allerletzte Mannschaft ...

... die aus dem Lostopf gezogen wurde. Schlagzeilen wie: Arminia unter den letzten viern gingen mir schon durch den Kopf. Option war: Bayern auf die Alm, Bremen auf die Alm oder Lautern auf die Alm - oder Arminia dahin. Und wie immer hat Arminia alles vermasselt und fährt zum Berg statt das der Prophet Geldsegen zur Alm kommt.

Egal - Arminia hat bei den Teufeln ja auch schon gewonnen UND sie spielen da sicherlich nicht in ROT - obwohl, wenn Lautern in Latschenkieferblau spielt.

Ich muss weg.

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2010: Eines der erfolgreichsten Jahre unserer Vereinsgeschichte!

Erst vor ein paar Tagen den Supercup geholt, nun den Westfalenpokal, den selbst Bayern München noch nie gewonnen hat*

Triumph bei Königsblau

JUGENDFUSSBALL: Arminias "C" holt Westfalenpokal [nw-news.de]

Gratulation! Ich hoffe, Arminia hat nach dem Supercup-Triumph nicht sofort neues Briefpapier gedruckt. Könnse jetzt wechschmeißen und schon wieder neu drucken. Hoffentlich reicht das Geld...

* ein Leben lang bin ich Matze für dieses Witzchen dankbar.
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Die Arminia-Geschäftsführung hat gelernt, daß den Ostwestfalen das zu teuer ist

Oder anders ausgedrückt: Die Ostwestfalen haben entgegen der Erwartungen (um nicht zu sagen: Kalkulation) der alten Geschäftsführung nicht gelernt, daß die von ihr entwickelten Preise im europäischen Vergleich noch moderat waren.

Sämtliche Tickets auf der Osttribüne kosten ab sofort nur noch 25,00 Euro, Tickets in den vier Mittelblöcken der Westtribüne 30,00 Euro, alle anderen Sitzplätze liegen ab sofort bei 20,00 Euro. Stehplatz-Tickets kosten in der neuen Saison 11,00 Euro (ermäßigt 9,00 Euro).     Ralf Schnitzmeier, neuer DSC-Geschäftsführer, sagt: "Wir haben die bisherige Preisstruktur kritisch hinterfragt und von Grund auf überarbeitet. Oberstes Ziel ist natürlich eine Steigerung der Stadionauslastung, insbesondere auf der neuen Osttribüne. [nw-news.de]

Daß die teuersten Karten nun welche für die Westtribüne sind, äh ich sach mal: in der Runde, in der diese Idee entwickelt wurde, muss man wohl dabei gewesen sein, um es zu verstehen. Eine Vermutung: Diese Plätze sind nicht im Blickfeld der Fernsehkameras (und Trainerbänke gibt's meistens in Nahaufnahme) - #Marke_Arminia

Außerdem hätte ich mir mehr Stehplätze gewünscht (ausverkauftgegenrwo.de hat die Nachfrage doch belegt, oder?) - mir war nämlich ein Gerücht zu Ohren gekommen, wonach genau das gerade geplant werde. Na ja, da war wohl der Wunsch Vater des Gerüchts.

Wie auch immer: Vor genau sieben Minuten wurde der Vorverkauf eröffnet. Los! Kauft alle Dauerkarten! Ausverkauft 2015!

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"Verwundert und nachdenklich macht uns, dass nach der Ratsentscheidung innerhalb von drei Tagen mit Hilfe der Wirtschaft die Lizenz zu halten war. Entweder kannte Arminia die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft nicht, oder der Verein wollte den Rat an der Hecke langziehen."

wettert CDU-Fraktionschef Rainer Lux gegen die Kritik an seiner Partei.

Die CDU wehrt sich gegen den »schwarzen Peter«, der ihr in der Debatte um die Arminia-Hilfe zugeschoben worden sei.

»Die Lizenz für den Verein war nicht durch städtisches Handeln gefährdet«, sagte gestern CDU-Fraktionschef Rainer Lux. Die Misere des DSC sei vielmehr über Monate und Jahre absehbar gewesen.

»Verwundert und nachdenklich macht uns, dass nach der Ratsentscheidung innerhalb von drei Tagen mit Hilfe der Wirtschaft die Lizenz zu halten war«, sagte Lux weiter.

Schließlich sei über Wochen ein gewaltiges Druckpotenzial aufgebaut worden, dass es ohne städtische Hilfe nicht gehe.

»Entweder kannte Arminia die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft nicht, oder der Verein wollte den Rat an der Hecke langziehen. Beides wäre katastrophal.«

(Quelle: Westfalen-Blatt)

Das Argument "Die Lizenz für den Verein war nicht durch städtisches Handeln gefährdet" wurde hier im Blog ja bereits (ziemlich zurecht) gebetsmühlenartig angeführt. Trotzdem überwog am Ende des kräftigen Tauziehens doch insgesamt der stark geschmäcklerische Eindruck, im Zuge parteipolitischer Abwägungen seien hier durchaus Chancen fahrlässig vertan worden.

Aber: Die Frage nach dem entweder oder ("Entweder kannte Arminia die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft nicht, oder der Verein wollte den Rat an der Hecke langziehen.") ist zugegebenermaßen eine Spannende.

Tja. Wer beantwortet sie? Es bleiben im Raum: Brinkmann, Mamerow, Eulenberg, Ziege, Lohmann!

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"Insolvenz? Um Gottes Willen - wir haben Liquiditätsprobleme (...) Aber wir werden unsere Probleme lösen. Der Spielbetrieb ist nicht gefährdet."

Äh, kann mir jetzt mal bitteschön jemand sagen, warum wir uns überhaupt monatelang Sorgen gemacht haben? Wir hätten einfach nur Meister Schwick vertrauen müssen:

Hans-Hermann Schwick hat schon andere, viel schwierigere Zeiten in Bielefeld erlebt. Ende der 80er Jahre stand der DSC Arminia finanziell vor dem Aus, nur ein Vergleich rettet damals den Klub. "Davon sind wir aktuell ganz weit entfernt, glauben Sie mir", sagte Schwick Donnerstagabend und fügte überzeugt an: "Insolvenz? Um Gottes Willen - wir haben Liquiditätsprobleme und da reden wir auch überhaupt nicht drumherum. Aber wir werden unsere Probleme lösen. Der Spielbetrieb ist nicht gefährdet." [nw-news.de vom 5. Februar]

In spätestens 15 Jahren, wenn's mal wieder so weit ist, können wir uns alle ganz gelassen geben und die heutigen Arminis an 2010 erinnern: Nur ein Last-Second-Kredit eines Glücksspiel-Unternehmers rettete damals den Klub. Das war brenzlig! Davon sind wir aktuell ganz weit entfernt. Insolvenz? Um Gottes Willen!

Tja, und trotz aller Turbulenzen zuletzt: Irgendwie ist's schade, daß er jetzt nach 19 Jahren aufhört, unser vorerst letzter direkt von den Mitgliedern gewählter Präsident. Man hat sich an ihn gewöhnt und es ist auch eine anerkennenswerte Leistung, eine so lange Zeit einem so unglaublichen Club wie Arminia vorzustehen.

Als Dankeschön und Blog5-Abschiedsgeschenk habe wir die Rücktrittsmeldung aus einem der letzten noch vergänglichen Medien, dem Videotext, konserviert (wahrscheinlich schon morgen früh nicht mehr dort zu lesen):


Wir leben nun einmal im Zeitalter des Videotextes

Herr Schwick, wir haben nach der heutigen DFL-Entscheidung nicht den geringsten Zweifel daran, daß sich Ihr großer Wunsch, mit Arminia nochmal nach Italien zu fahren, in den drei, vier, spätestens fünf Jahren erfüllen wird!

Übrigens: Dafür, um Reportern einmal im Leben den wunderbaren Satz "Der Spielbetrieb ist nicht gefährdet" ins Notizbuch diktieren zu dürfen, lohnt es sich eigentlich, Präsident zu werden. Doch wie überzeuge ich nur den Verwaltungs-, Ehren- oder Was-Weiß-Ich-Rat...?
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Lizenz!

Aus "gut informierter Quelle" eines Mitarbeiters einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt, die auch hier in Bielefeld ein schickes Landesstudio betreibt, wurde Arminia soeben die Lizenz erteilt - und das wird in Kürze wohl auch über die diversen Sender kundgetan.

Man ist ja immer gerne vorsichtig mit Schnellschüssen, aber irgendwie höre ich in meinem Kopf bereits das Ploppen von Sektkorken. Yeah.

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"Wir haben die 10 Millionen Euro beisammen"

sagte Wolfgang Brinkmann (...) dem SID.
(...)
Neben den lokalen Großunternehmen Dr. Oetker (u.a. Lebensmittel, Schifffahrt), Gerry Weber (Mode) und Schüco (Fenster und Solar) beschloss auch die Firma Gauselmann (Geldspielgeräte) aus Lübbecke, der Arminia zu helfen. Zudem bürgen nach SID-Informationen Aufsichtsratsmitglieder des Vereins persönlich. [kicker.de]

Hä? Habe ich gerade etwa Oetker gelesen?

Unternehmenssprecher Jörg Schillinger sagte WDR.de zur Motivation: "Wir haben uns Sorgen um das Image von Bielefeld gemacht." Dem Unternehmen sei es wichtig, die Jugendarbeit zu unterstützen, "und dazu muss es den Verein geben." [wdr.de]

Fraglich scheine nur noch, ob die DFL die Unterlagen anerkenne. Brinkmann bremse die Euphorie aber noch, weil es so viele Formalitäten zu erledigen gebe.

Ok, wollen wir mal hoffen, daß die Unterlagen ausreichen und diese Kleinigkeiten nicht, wie so oft in den vergangenen Monaten, wieder neue Millionen sind...

...und dann können wir uns endlich wieder unserer Lieblingsbeschäftigung zuwenden: Die Teilnahme an europäischen Wettbewerben innerhalb der nächsten fünf Jahre ins Auge fassen.

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Der Arminiadusel: Glücksspiel des Tüchtigen unter blauem Himmel

Junge, Junge, ein Glücksspielunternehmer: Was für ein Symbol! Und welche Bedeutung dieser Screenshot vom Freitag (Googlesuche nach Glücksfee in der Verwaltungsvorlage) damit im Nachhinein bekommt:

Vielleicht hat ja erst jener Beitrag den tüchtigen Gerry auf die Idee gebracht, mal beim Gauselmann anzurufen.

Rien ne va plus. Nicht.

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"Arminia Bielefeld gerettet."

Ich bin ja als Kind der 80er mit Wallraff aufgewachsen und werde die innere Abneigung gegen die Zeitung mit der noch größern Schrifttype als in Mediamarkt-Anzeigen nie mehr loswerden, aber die heute Abend eintrudelnde Meldung (abzüglich der üblichen mehr als gebotenen Vorsicht hinsichtlich des tatsächlichen Wahrheitsgehalts) lässt mich das gerade mal kurz vergessen:

Sponsoren zahlen 2,85 Mio Euro

Arminia Bielefeld gerettet

Das war der wichtigste Bielefeld-Sieg der gesamten Saison. Die drohende Insolvenz und ein Zwangs-Abstieg sind vom Tisch! (...)

Brinkmann: „Eine Zusage über 850 000 Euro gab‘s schon von einem Vereins-Mitglied. (...) “

Die Zwei-Millionen-Spritze kommt von mehreren Gönner aus der Privatwirtschaft. Heute soll die Rettung schriftlich besiegelt werden.

(Quelle: Bild)

Das gefällt mir aktuell sogar fast noch besser als die damalige Wunsch-Schlagzeile vom Bielefelder Ex-BILD-Chefredakteur Kai Diekmann (“Endlich! Arminia Bielefeld Deutscher Meister!”).

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