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FC Gütersloh 1978 - DSC Arminia Bielefeld 0:2

Um Nicht-Insidern zu vermitteln, welche Dramatik diesem Spiel innewohnte, muss man es mit Länderspielen wie Deutschland-Niederlande bei der WM 1990 oder Deutschland-England bei der EM 1996 vergleichen.

Die Stimmung wurde bereits vor dem Spieltag angeheizt – und zwar in den ersten Internetforen, die damals eingerichtet waren (das Internet war 1998 seit maximal zwei Jahren Massenmedium!). Die Bielefelder Fan-Szene ging dem Hörensagen nach (ich habe mich zu dieser Zeit noch nicht in Internetforen rumgetrieben) ähnlich souverän mit den Provokationen um ("Ihr treibt euch im nächsten Jahr wieder in den Foren des SC Verl rum") wie Arminia mit dem FC Gütersloh in sämtlichen Pflichtspielen überhaupt: Noch nie hatte der Emporkömmling aus dem Ostmünsterland gegen den Sportclub der Ostwestfalen ein Tor geschossen. Ein Umstand, der selbstverständlich ebenfalls für Brisanz sorgte. (Kleine Bonus-Info für Leser, die in Sachen Ostwestfälischer Fußball nicht so bewandert sind: Der FC Gütersloh meldete anderthalb Jahre später Insolvenz an und hörte damit auf zu existieren – ohne bis dahin, also ohne überhaupt jemals ein Tor gegen Arminia erzielt zu haben).

Unabhängig vom späteren Ergebnis hatten wir bereits vor Anpfiff gewonnen: Während sich die Gütersloher Zuschauer als Choreographie für diesen grauen und ungemütlichen Novembertag überlegt hatten, ein paar weiß-grün-blaue Pappen in den Nebel zu halten, traten die Bielefelder Schlachtenbummler wesentlich geschlossener auf, indem die schwarz-weiß-blauen Farben dank zuvor in mühevoller Kleinarbeit zurechtgeschnittener Folienbahnen nahezu lückenlos über den gesamten Auswärtsblock erstrahlten. Spätestens nach dieser Aktion und der anschließenden akustischen Überlegenheit waren erste Zweifel angebracht, ob es sich für die Jungs und Mädels aus der Leineweberstadt überhaupt noch um ein Auswärtsspiel handelte. (Arminia-Fans hatten also an jenem Nachmittag das Gefühl, das beispielsweise Mönchengladbach-Fans haben müssen, wenn sie heute bei Spielen auf der Alm sind ;-).

Für uns (Sascha und mich) persönlich waren diese Zweifel ebenfalls mehr als angebracht: Aus Gütersloh stammend, standen wir mit unseren Gütersloher Freunden im Heim-Block (auf der Gegengerade ziemlich genau auf Höhe der Mittellinie). Unsere Reaktionen auf das Geschehen auf dem Rasen wollten jedenfalls nicht zu denen unseres unmittelbaren Umfelds passen ("Was seid ihr denn für welche?").

Ein paar Worte zum Geschehen selbst: Billy Reina machte das Spiel seines Lebens (unten in der kicker-Analyse unverständlicherweise nur mit der Note '2' bedacht), Bruno Labbadia vergaß aufgrund des Spielverlaufs (zwei Platzverweise, dutzende Fehlentscheidungen gegen Arminia, nur noch wütendende Arminen auf dem Rasen und den Rängen) seine Söldner-Mentalität und ließ sich nach seinem zweiten Tor dazu hinreißen, eine Arminia-Flagge zu knutschen. Unser vor dem Spiel noch neutral eingestellter Begleiter E. war spätestens in der zweiten Halbzeit glühender Arminia-Fan.

Für das Highlight schlechthin sorgte aber A., ein weiterer eher neutral eingestellter Begleiter von uns: Während sich alle nach geschätzten 15 Minuten sicher waren, einem der zehn besten, weil spannensten Spiele ihres Lebens beizuwohnen, machte er unentwegt den Vorschlag, das Stadion zu verlassen, um bei ihm zu Hause einen Kaffee zu trinken.

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Die Fakten von kicker.de

FC Gütersloh 2000 - Arminia Bielefeld 0:2 (0:0)

FC Gütersloh 2000: Kraft (3) - Tschiedel (3) - Landgraf (3), Reekers (3), Dziwior (4) - Scharpenberg (3) - Weidemann (4), Meyer (3), Wagner (4) - Waterink (4), Stendel (3) - Trainer: Brei

Arminia Bielefeld: G. Koch (3) - Stratos (3) - Meißner (4), Boy (3,5) - Maul (3,5), Hofschneider (4), Peeters (3) - Rydlewicz, Reina (2), Sternkopf (3) - Labbadia (2) - Trainer: von Heesen

Tore: 0:1 Labbadia (80.), 0:2 Labbadia (88., Foulelfmeter)

Eingewechselt: 46. Canale (3) für Wagner, 56. Choroba (3,5) für Tschiedel, 70. Elberfeld für Weidemann - 78. Straal für Sternkopf, 85. Kolakovic für Reina, 89. Bremke für Labbadia

Schiedsrichter: Wagner (Kriftel), Note 4

Zuschauer: 12500 (ausverkauft)

Rote Karten: Rydlewicz (5., grobes Foulspiel) Gelb-Rote Karten: Hofschneider (74.) Gelbe Karten: Dziwior, Wagner - Labbadia, Sternkopf

Analyse Bei Gütersloh war der zuletzt Gelb-gesperrte Landgraf wieder dabei, Choroba mußte auf die Bank. Bei Bielefeld spielte Reina für den zur Nationalmannschaft gereisten Iraner Bagheri. Volles Haus im Heidewald, doch statt Derbyglanz boten die beiden ostwestfälischen Teams viel Hektik. Schon nach fünf Minuten sah Bielefelds Rydlewicz nach einem groben Foul an Tschiedel Rot. Doch wer glaubte, Gütersloh würde die zahlenmäßige Überlegenheit nutzen können, wurde enttäuscht. Zu umständlich agierte das Team von Dieter Brei. Nervös und hektisch fanden die Gütersloher nicht zu ihrem Spiel, statt flüssiger Kombinationen gab es reihenweise Fehlpässe. Bielefeld stand hinten sicher, vorn sorgte Reina für Verwirrung in der FCG-Abwehr. Das änderte sich auch nach dem zweiten Platzverweis gegen die Arminen nicht. Stattdessen sorgte Labbadia nach dem munteren Karten-Spiel für den überraschenden, aber verdienten Auswärtserfolg.

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