Pausentee

Almfahren mit Umsteigen

So oder so ähnlich begab es sich unlängst im Rauchereck des Gleis 9 im Hauptbahnhof zu Hamm (Westfalen):

„Schönen Schal hast Du an!“ – „Joa, danke...“ – „Fährst Du zum Fuuuuußball?!“ – „Ja, tue ich.“ – „Zu Bayern? Bayern spielt heute in Hannover!“ – „Nicht ganz, Bayern spielt heute in Wolfsburg. Und ich fahre nach Bielefeld.“ – „Was? Bayern spielt in Hannover gegen Bielefeld?“ – „Nein. Bayern spielt in Wolfsburg. Ich fahre nach Bielefeld. Die spielen gegen Aue.“ – „Ahaaaa....Und gegen wen spielt Hannover?“ – „Gegen Leverkusen.“ – „In Wolfsburg...“ – „Nein, in Hannover.“ – „Und Wolfsburg?“ – „Spielt gegen Bayern.“ – „Nicht gegen Leverkusen?“ – „Nein.“ – „Leverkusen spielt in Bielefeld gegen Aue.“ – „Nein!! Bielefeld spielt gegen Aue, Hannover gegen Leverkusen und Wolfsburg gegen BayernVERDAMMT WATWILLSTEEIGENTLICH!?!?!“ – „...kannichne Zigarette...?“

(die Story ist zu hübsch, um nicht erzählt zu werden. Sie ist eigentlich bei einer Gruppe Leverkusen-Fans belauscht worden- für die Originalfassung müßt Ihr nur die Fragen und Antworten entsprechend umstellen)

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Bielefeldstyle

„Bielefeld gibt’s nicht“. „Bielefeld ist eine Verschwörung“. Jahrelang war den Bielefeldern selbst herzlich egal, diesen außerhalb der Stadt doch stark vorherrschenden Klischees entgegen zu treten – Wozu auch, wir wissen es ja auch besser. Für Exil-Bielefelder ist das allerdings nicht so einfach. Man ist als Einzelkämpfer zur Ehrenrettung der Heimatstadt unterwegs. Man zählt Produkte, Dienstleistungen, wunderbare Wirtschaftsdaten, das Grün der Stadt auf, nur um „VerschwörungGibtsnicht“ als Antwort auf jedes Argument zu erhalten. Selbst das Bekenntnis zu Arminia, die ja immerhin jede Woche für ein paar Minuten im Fernsehen läuft, hilft da nichts. Der DSC ist für Außenstehende der Fußballclub, der eh absteigt. Arminia wird gar nicht mit einer Stadt in Verbindung gebracht. Und falls doch: „VerschwörungGibtsnicht“. Ausgerechnet eine Münster-Geschichte hat den bis vor kurzem besten Konter geliefert. Im Wilsberg-Krimi „Die Bielefeld-Verschwörung“ (sic!) gab es „Vorsicht! Ich gehöre zu denen!“ sogar auf T-Shirts (leider nur als Filmrequisite, ich habe nachgefragt).

Und dann fährt man zur Weihnachtsmarktzeit durch Münster, sieht an jeder Ecke Plakte, die für das Jubiläumsjahr werben und denkt so „YEEEEES!“. Dann entdeckt man die „Das kommt aus Bielefeld“- Aktion der Bielefelder Wirtschaftsförderung und denkt so „YEEEEES!“. Bielefeld hat sich also endlich dazu entschlossen, sich nach außen offensiv zu präsentieren und hat dabei allen Exil-Bielefeldern eine Menge Mund-fusselig-Sabbeln abgenommen. „Bielefeld gibt’s nicht“ – Locker auf den Mineralwasser-Laster zeigen. „Bielefeld ist eine Verschwörung“ – Entspannter Gang zum Kühlregal. Auch Arminia nimmt an der Aktion teil. Das kommt aus Bielefeld!- Die Marke ist nicht zu übersehen!

Wenn wir uns am Samstag also die Tiefkühlpizza reinziehen, dazu Wasser aus Brackwede trinken, den Griespudding zum Nachtisch löffeln, uns in den feinen Zwirn vom Outlet an der Herforder Straße zwängen und dann auf die Alm fahren und die Blauen spielen sehen - Das kommt aus Bielefeld! Gönnen wir uns dies Gefühl!

Und wenn wir wiederkommen, mit einem Räuchermännchen, einem Kilo Uran und Drei Punkten im Gepäck – Das kommt aus Aue!

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Arminia abgestiegen?

Da guckt man zunächst mäßig interessiert, nach dem ersten Gegentor zunehmend mürrisch ob der untauglichen deutschen Bemühungen das Länderspiel – und blättert zur Abwechslung in der Zeitung herum, bis man plötzlich elektrisiert an einem Artikel über Fangewalt hängen bleibt. Nein, nicht wegen des Themas, sondern weil man ganz beiläufig zwischen den Zeilen erfährt, dass Arminia abgestiegen ist!

Aufgedeckt wurde diese erschütternde Tatsache durch die Neue Ruhr-/Neue Rhein-Zeitung (NRZ). Natürlich ist man immer dankbar, wenn Medien darüber wachen, dass auch im Fußball alles mit rechten Dingen zugeht. Aber muss es gleich so bitter sein?

„Problemfall 3. Liga“ heißt es in der Unterzeile. Und im Text liest man „Die ,Problemfans’ von Dynamo Dresden stehen jetzt beispielsweise in der 3. Liga unter besonderer Beobachtung.“ Dresden? DSC? Die spielen doch in der Liga gegeneinander, erinnert sich man dunkel, guckt furchtsam beim Internetauftritt des DFB vorbei, wird bestätigt: Am 6. Dezember gibt es das Heimspiel gegen die Dynamos. Aber halt, das steht in der Rubrik „2. Bundesliga“. Sollte man sich an der Otto-Fleck-Schneise vertan haben? Oder war der 11. Mai 2013 ein Traum – ein zwar schöner, aber eben doch nur geträumter Aufstieg?

Mit Angstschweiß liest man noch einmal: „Fans...Dresden...jetzt...3. Liga“. Puh, Schwein gehabt, nur die Fans sind abgestiegen. Wieder was gelernt. Wahrscheinlich haben die die Relegation gegen die Fans vom VfL Osnabrück verloren.

PS: Die NRZ ist schon eine verdammt gute Zeitung und eine ehrliche dazu – nach dem Druck hat sie ihren Fehler bemerkt und in der Online-Version korrigiert!

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Hefte raus, Taktikschulung!

Hefte raus, Taktikschulung, Thema heute „9 ½“ – nein, nicht mit dem Nachnamen Wochen, Ihr Ferkel! Doch lassen wir unseren Cheftrainer selber sprechen. „Ich sehe Anass als Zehner oder sogenannte Neuneinhalb, weniger als Außenbahnspieler“, wird Stefan Krämer in der NW zitiert. Hut ab vor so viel Fachwissen in der Redaktion und selbstverständlich auch bei den Lesern des roten Blatts, weswegen (pep) auch gar nicht erklärt, was die Neuneinhalb ist.

Gehen wir doch einmal mit dem gesunden Menschenverstand an das Thema heran. „Weniger als Außenbahnspieler“: Das klingt schon mal gut, weil in der Mitte werden die Tore erzielt. Aber die Erklärung ist natürlich viel zu simpel.

Vielleicht hilft ja Google. Bei der Suche nach „Neuneinhalb“ und „Fußball“ wird schon an vierter Stelle – äh – ausgespuckt: Mike Hanke. Der allseits als Philosoph Bekannte überrascht natürlich keineswegs mit der Selbsteinschätzung „Ich bin eine Nummer neuneinhalb“, nachzulesen in der FAZ, also die mit den klugen Köpfen dahinter. Wollen wir Hanke als Erklärer stehen lassen?

Zurückhaltend bei Google weiter hinten, erst auf der zweiten Seite, findet sich ein Beleg eines Schweizers: Lucien Favre sagt über seinen Stürmer Max Kruse, der könne problemlos „Neuneinhalb“ spielen – schreibt zumindest der Theaterkritiker der Zeit, Peter Kimmel. Lustiger Erklärungsansatz des Auch-Fußballerklärers zur Frage, was Neuneinhalb ist: „Wir vermuten, es ist der um einen Halbton erhöhte "klassische Neuner", also der Mittelstürmer alter Prägung, in den der Geist eines Spielmachers gefahren ist.“

Kimmel bringt auch noch einen falschen Neuner sowie einen scheinbaren Zehner ins Spiel. Das führt jetzt aber zu weit! Und über die hängende Spitze soll hier auch nicht geredet werden.

Tja, da muss wohl doch der Trainer ran: Stefan, erklär uns doch bitte mal an dieser Stelle, was Du denn unter Neuneinhalb verstehst. Kobra Krämer, übernehmen Sie!

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Zurück aus der Zukunft

Es ist eines dieser Märchen, wie sie der moderne Fußball nur noch selten erzählt.

Gerade 18 Jahre alt ist der Stürmer, als er einen niedersächsischen Kleinverein von der Kreis- in die Bezirksliga ballert. Mit sage und schreibe 45 Saisontoren. Und weiter geht's. Für den benachbarten Kreisstadtclub macht er in zwei Jahren fast fünfzig Buden. Auf geht's in die Regionalliga: zwei Mal Vizemeister, wieder viele Tore.

Dann Arminia: gegen den Abstieg, um den Aufstieg, Torschützenkönig der dritten Liga, zweite Liga. Und weiter. Tore, Tore, Tore. Zweite Liga, erste Liga, Tore. Ein Mann für Jogi.

Und dann, im entscheidenden Spiel um die WM: eingewechselt, kurz vor Schluss, Spielstand einseins, da, der Pass, steil in die Spitze, Annahme! Dribbling! Schuss! Tor! Tor! Tor! Deutschland fährt nach Russland! Als Nummer eins der Hammergruppe!

Und die NW weiß das alles heute schon. Toll. Nur beim Foto haben sie irgendwie geschlampt.

Fabian Klos schießt Deutschland zur WM

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Kann ich jedes Mal zu Arminia gehen?

Eines vorab: Wir sind gut. Arminias Social Media-Fans sind gut! Mit den naturgemäßen Abstrichen à la Arno Nühm und Co, denen ein "Verpiss Dich, du Spast!" nur allzu leicht über die Tastatur geht, wird bei uns noch in angemessener Sprache diskutiert.

Freie Meinungen werden frei geäußert, aber auf Beleidigungen wird überwiegend verzichtet. Das sieht woanders anders aus.

Allzu häufig kommt es bei uns sogar vor, dass sich in der DSC-Community geholfen wird. Anbei ein besonders rührendes Beispiel, das mir im Hinblick auf das Spiel am Freitag gegen Fortuna Düsseldorf (18:30 Uhr, SchücoArena) aufgefallen ist:

Schokohase: Weiß nicht, ob ich hin soll oder nicht. Das kommt doch komisch wenn ich jedes Mal hingehe.

Sabrina: Warum das denn?

Kim: Ich geh immer hin.

Sabrina: Ich verstehe das gerade nicht. Leute mit einer Dauerkarte gehen doch auch immer hin und andere fahren sogar noch auswärts.

Schokohase: Stimmt. Scheiß drauf.

Kimberly: Als Fan will man doch eigentlich zu jedem Spiel, oder nicht?

Schokohase: Stimmt. Jetzt gehe ich hin. 100% !

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Stochastikhefte raus, wir lösen eine Wahrscheinlichkeitsberechnung nach p auf!

Warum ich schon die ganze Woche davon träume, dass wir irgendwas mit Leverkusen am Hut haben. Warum mir direkt nach dem Braunschweig Spiel eingefallen ist, dass ich als Zwei-/Dreijähriger dachte, es heißt Bayer Leberwurst ... Egal.

Jetzt zu Dr. Stochastik:

Wie wahrscheinlich ist es zweimal hintereinander ein Leberwurstbrot runterzuschmeißen und es mit der Wurst nach oben landen zu lassen? Wahrscheinlicher bestimmt, als zweimal hintereinander Leverkusen aus dem Pokal zu werfen!

Gerechnet werden darf schonmal, aber die Auflösung bekommen wir erst nächstes Jahr, wenn es auch in der Saison 2014/15 wieder heißt:

DFB Pokal: Arminia Bielefeld vs. Bayer 04 Leberwürstchen

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Lachsalven und Juxraketen

Zum feucht-fröhlichen Jahresausklang dürfen auch bei Blog5 ein paar wirklich schlechte Wortwitz-Spielereien nicht fehlen:

 

  1. Ich geh' aufs KLOS einen abSALGERn.
  2. Wir waren so HORNIG, dass wir ungeSCHÜTZt hatten und nun stecken wir in der PATSCHE.
  3. Alles im RAHN?
  4. APPI geht's.
  5. Heute erwarte ich volles AGYEMANG!
  6. Reisst Euch gefälligst am RIEMER!
  7. Mit "Ein Bett im SCHÖNFELD" holten "Die ORTEGAs" PLATINS.
  8. Aramsamsam, aramsamsam, gulli gulli gulli gulli gulli ramsamsam -  ARABI ARABI gulli gulli gulli gulli gulli ramsamsam

Das Ganze ist natürlich beliebig erweiterbar. Ich trinke jetzt ein BURMEISTER und  rutsch' dann friedlich rein. Wir hören uns im neuen Jahr!

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Profifußball als inszenierter Lebensstil und ein Kultur-Euro namens "Fan-Abgabe" - Gedanken zum "Fall Pezzoni"

„Oha, als Journalist und Soziologe würde ich ja gerne auf den Link von Marcus Uhlig und deinen Kommentar antworten“ - durch diese Kurznachricht entwickelte sich eine spontane Diskussion unter unausgelasteten, fußballbegeisterten Politik-Studenten um das, was sich in Köln im „Fall Pezzoni“ zugetragen hatte.

Mit den Worten „Bislang das Beste - weil Differenzierteste - was ich in Sachen "Pezzoni" gelesen habe!“ machte Uhlig via Facebook auf einen lesenswerten Blog-Beitrag von effzeh.com aufmerksam. Er diskutiert Fragen der Verantwortung und Schuld, nimmt Fans, Vereine und auch Politik in die Pflicht, schiebt allerdings auch den „unreflektierten Medien“ eine gewichtige Teilschuld zu.

Mit der gemeinsamen Ansicht die Medien hier aus der Schusslinie nehmen zu wollen, entwickelte sich nun ein (Chat-)Gespräch, das – so unser Gedanke –vielleicht auch andere interessieren könnte. Und da wir unsere Gehirnzellen in den Semesterferien mal in Bewegung gesetzt haben, möchten wir das auch dokumentiert wissen ;-)

Jan: Profi-Fußball lebt von Fans. Fans bedeuten Geld. Wenn sich Vereine selbst zu einer Art Lebensstil stilisieren („Echte Liebe“, „Mia san mia“), dann machen sie das letztendlich aus wirtschaftlichen Aspekten. Und dann müssen sie in Krisensituationen auch damit rechnen, dass da Leute austicken, wenn "ihr Leben" davon abhängt. Da kann ein Verein noch so sehr um Fan-Projekte, Deeskalation und sonst was bemüht sein. Kernproblem ist die Kommerzialisierung des Sports. Zwar lässt sich prima über die Verantwortung von Profi-Vereinen diskutieren. Aber der so implizierte Anspruch, dass Vereine für aufgeklärte Fans sorgen müssen, kann nicht erfüllt werden.

Santon: Kommerzialisierung ist sicherlich ein Problem. Aber ich werfe mal die "Arminia-Perspektive" ein. Unter normalen Umständen wäre Arminia vor 2 Jahren insolvent gegangen und hätte unten wieder anfangen müssen. Das ist nicht geschehen, weil der emotionale Wert des Vereins zu groß für die Region war und Privatpersonen, Unternehmen etc. mit ihrem Geld eingesprungen sind. Hier fehlt die eigene Inszenierung. Das ist vielmehr als Auftrag zu sehen eine Geschichte weiterzuerzählen.

Jan: Im Prinzip hast du also eine Firma, die schlecht gewirtschaftet hat. Weil die Kunden aber alle so begeistert sind von den Produkten, die dort mal hergestellt worden sind, zahlen sie weiterhin Geld. Ohne Gegenleistung, nur in der Hoffnung, dass bald wieder ein gutes Produkt kommen könnte?

Santon: Ich weiß nicht, ob es das trifft. Ein vergleichbares, vermeintlich sogar besseres Produkt wäre ja im regionalen Umfeld schnell gefunden.

Jan: Ich führe hier mal ein Zitat von jeder Oma der Welt an: "Den Oetkerpudding haben wir immer genommen. Der andere ist zwar billiger (und genau gleich), aber der schmeckt nicht". Stichwort: Markentreue und Kommerzialisierung von emotionaler Bindung.

Santon: Eben. Diese Bindung kann auch ohne Inszenierung entstehen. Die Vereine wären natürlich schön blöd, wenn sie dem entgegenwirken würden. Sie gießen eher noch Öl ins Feuer. Das kann dann zwar eine von vielen Ursachen für den „Fall Pezzoni“ sein, aber nicht der Kern der Sache.

Jan: Aber daraus resultieren ja viele andere Sachen: Berichterstattung in den Medien und ihr gesellschaftliche Wirkung zum Beispiel. Natürlich kann man nicht sagen, dass Profi-Vereine schuld sind. Aus diesem ganzen Business entstehen einfach selbstbefeuernde Dynamiken, die nicht kontrollierbar sind. Und wenn so Schaden entsteht, wird versucht, das Ganze über Normen (Vereine appellieren an ihre Fans etc.) zu lösen. Und diese Normen sind letztlich willkürlich. Übrigens gibt es dieses Phänomen auch in anderen Gesellschaftsbereichen (Recht-Politik, Politik-Religion, Erziehung-Wirtschaft).

Santon: Und wie wäre das deiner Meinung nach zu lösen? Sollen Vereine aus dem Bewusstsein ihrer eigenen gesellschaftlichen Verantwortung heraus auf die Emotionalitätsbremse treten? Wäre das dann Prävention? Soll in Fanprojekten auf die Nebensächlichkeit des Fußballs hingewiesen werden?

Jan: Das ist ja der Witz an der Sache: Das ist nicht zu lösen.

Santon: Aber das wäre die Lösung in Utopia, oder?

Jan: So einfach kann man das, glaube ich, nicht sagen. Dass Profi-Sport entstanden ist, hat ja einen Grund. Aber dieser Komplex entzieht sich der systemeigenen Kontrolle. So arbeiten zum Beispiel Medien nur nach ihrer eigenen Logik. Genau wie der Profisport. Diese Ohnmacht der gegenseitigen Einflussnahme wird durch die Berufung auf Normen nur verschleiert, oder?

Santon: Dann wäre es aus Sicht der Vereine wohl ratsamer sich für den Ernstfall zu wappnen und sowas in Kauf zu nehmen bzw. Wege zu finden, die Akteure vor "Mobbing" zu schützen. Ganz pragmatisch.

Jan: Aber auch das können sie ja nur bedingt tun. Es werden immer wieder Situationen entstehen, bei denen jemand fragt: "Was macht der Verein?" Und die müssen wieder sagen: "Wir machen in Zukunft das und das." Oder nicht? Es entsteht sozusagen ein Kreislauf von Katastophe- Gesellschaftliches Echo- Normformulierung-Neue Katastrophe etc.

Santon: Ein Verein könnte sich aber Grenzen stecken und diese auch deutlich formulieren: "Wir können das und das im Bereich unserer sozialen Verantwortung leisten, aber das und das nicht mehr." Damit wäre man sogar verlässlich gegenüber staatlichen Institutionen und könnte automatisch andere Akteure in die Pflicht nehmen.

Jan: Und wo sind die Grenzen der sozialen Verantwortung?

Santon: Das ist vielleicht die falsche Frage. Man müsste fragen, wo für einen Verein die Grenzen der Machbarkeit liegen seiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden.

Jan: Führt zum gleichen Ergebnis. Wo liegen die Grenzen der Machbarkeit? Fängt das damit an, dass man bei Fan-Projekten dabei ist oder dass alle Fußballfans nur noch nüchtern ins Stadion kommen? Alles halt schwer abzugrenzen.

Santon: Man könnte möglicherweise von allen Verein eine "Fan-Abgabe" verlangen. Ein ausgehandelter Prozentsatz des Vereinsumsatzes (der ja auch in einem gewissen Zusammenhang mit dem Fan-Aufkommen steht) müsste in Fan-Arbeit reinvestiert werden. Es wäre aus meiner Sicht nicht unverschämt das zu verlangen.

Jan: Ist eigentlich ´ne gute Idee. Ruft allerdings wieder Geschichten wie "Keinen Zwanni für´n Steher" auf den Plan. Denn der Verein wird seinen Gewinn wohl kaum dafür hergeben (siehe: Wirtschaftsunternehmen). Du siehst, die Komplexität des Fußball-Geschäfts ist kaum zu bewältigen ;-)

Santon: Die Vereine könnten aus meiner Sicht immerhin Verlässlichkeit gegenüber Anderen demonstrieren (auch gegenüber Rainer Wendt und seiner Polizeigewerkschaft). Öffentliche Einrichtungen, Sponsoren und Verbände wären vielleicht in die Pflicht genommen. Aber ja, wir können die Probleme hier nicht lösen :-)

 

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Arminia kann sich nur noch selber schlagen. Sagt der Kicker. Und die Soziologie. Und wir auch. Vielleicht.

"Die Blauen schenken den Arminen den Dreier" titelt kicker.de heute.

Huch! denkt da der geneigte Arminia-Anhänger, können die Blauen sich jetzt nur noch selber schlagen? Und: Wieso weiß der Kicker etwas, das wir selbst nicht glauben? Oder ist das fränkische Fußballfachblatt womöglich unter die Soziologen gegangen und will uns zeigen, wie Selbstreferenzialität geht?

Vermutlich schreibt kicker.de dann bald nur noch darüber, wie die Blauen Arminia schlagen, das gleichzeitig Bielefeld unterliegt, das wiederum den DSC besiegt. Und darüber, dass der Doppelpass ein soziales System ist (aber nur, wenn er klappt). Und benennen sich um in Halbvier, sozusagen.

Wo wir schon beim soziologisieren sind: Die NW bringt heute einen wunderschönen Kommentar eines 13-jährigen Arminia-Anhängers. Er wünscht sich von seinem Verein vor allem eins: Er möge ihn künftig noch besser darüber informieren, dass es den Schülerrabatt nur im Vorverkauf gibt. Na, wenn das keine Möglichkeit ist, um den Studierenden an der hiesigen, landesweit einzigen Fakultät für Soziologie anhand eines (lebens-)nahen Beispiels den Unterschied zwischen Information und Wissen darzulegen.

Aber wir schweifen ab. Und fremdreferenzieren dauernd. Dabei gibt es doch nur eins: Blog5. Denn eigentlich brauchen wir ja nur über uns selbst zu schreiben. Und insbesondere über diesen Beitrag. Also los, hier ist Platz:

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